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King's Singers (c) Marco Borggreve/Warner

Boulevard

Ein Schuss Jazz, eine Prise Film, ein Löffel Leichtigkeit: Bunte Klassik

Madrigale, Pop und Schlager

Das kommende Jahr steht im Zeichen des 50-jährigen Jubiläums der King’s Singers – jener 1968 am King’s College in Cambridge gegründeten Vokalformation, die A-Cappella-Geschichte geschrieben hat. Die Box, die drei Alben aus der riesigen Diskografie vereint, zeigt wie in einem Brennglas die Vielseitigkeit der sechs britischen „Meistersänger“, die sich freilich im Laufe ihrer Geschichte einer Neubesetzung aller Stimmen unterzogen. Klassische europäische Madrigale des 16. und 17. Jahrhunderts stehen neben amerikanischen Popsongs und einem großen Tribut an das Ensemble, das man als historischen Vorgänger der Briten bezeichnen könnte: den Comedian Harmonists.

The Sound Of The King’s Singers (3 CDs)

Warner

Bach und die Holzklangstäbe

Wie bei so vielen Musikinstrumenten, die in einer Nische agieren, sind auch die Virtuosen des Marimbaphons mit den charakteristisch klingenden Holzklangstäben entweder auf Neukompositionen oder Arrangements angewiesen. Bei dieser Aufnahme des Marimba- Ensembles „The Wave Quartet“ kann man aber kaum noch von einem Arrangement sprechen: Die Solisten übernehmen die Soloparts der Bach- Cembalo-Konzerte eins zu eins an der Seite des renommierten L‘ Orfeo-Barockorchesters. Man muss sich ein bisschen einhören, da die Klangfülle der Marimbas nicht an die eines Cembalos oder eines modernen Flügels heranreicht. Damit hatte aber auch Bach schon bei seinen Bearbeitungen vom Streichinstrument auf die gezupfte Cembalosaite zu kämpfen gehabt. Die Intimität des Marimbaklangs eröffnet ganz neue Klangräume. Daher: Experiment gelungen!

Bach Concertos

The Wave Quartet, L’Orfeo Barockorchester, Michi Gaigg

Sony

Die drei Countertenöre

„Das können wir auch“, sagten sich drei Countertenöre, als sie Anfang der 1990er Jahre den legendären Aufstieg eines gewissen Kollegentrios beobachteten, das ganze Stadien füllte. Ob das den drei Countertenören auch gelungen ist, bleibt dahingestellt. Sicher ist: Das Projekt von Andreas Scholl, Dominique Visse und Pascal Bertin brachte 1995 ein Album hervor, das die ganze Kunst dieser bis dahin fast nur aus der Alten Musik bekannten Stimmgattung in ein ganz neues Licht stellte – und das nun seine Wiederveröffentlichung erfährt. Mit einer gehörigen Portion Humor nahmen sich die drei solcher Welthits wie „Maria“ oder „My Way“ an. Auch das tenorale Bonbon „Una furtiva lagrima“ und die „Habanera“ aus Carmen fehlen nicht bei dieser androgynen Erkundung der männlich besetzten Höchstlagen. Besonders reizvoll: „White As Lilies“ – ein von Andreas Scholl komponiertes Lied im Renaissance-Stil.

The Countertenors

Pascal Bertin, Andreas Scholl, Dominique Visse

harmonia mundi

Klaviermusik auf neuen Rhythmen

Man konnte es als historischen Schritt für das 1929 gegründete Klassik-Label bezeichnen, als die Manager im vergangenen Jahr die erste Folge eines für dieses Haus besonderen Projekts vorstellten: „re:works“ vereinte, was Künstler und Künstlerinnen der Dance-Music-Szene zu klassischen Werken assoziierten. Bach und Debussy, Beethoven und Schubert schwammen auf House-Beats oder durchschwebten den Raum im Ambient- Stil. Die zweite Folge nun konzentriert sich auf klassisches Klavierrepertoire – mit den unvermeidlichen Satie-Superhits, Debussys „Clair de lune“ und der „Mondscheinsonate“. So ganz genau nehmen es die Macher dann aber doch nicht. Mit den in neue Beats gequetschten und elektronisch verfremdeten Stellen aus Marcellos Oboenkonzert oder Pachelbels Streicherkanon bewegt man sich durchaus auch abseits der Welt der schwarzweißen Tasten, die das minimalistische Cover zieren.

re:works piano

Decca/Universal

Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 4 / 2017



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