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Felicity Lott (c) Trevor Leighton/Askonas Holt

Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Tenor Piotr Beczała, der im vergangenen Jahr einen enormen Erfolg als „Lohengrin“ an der Semperoper Dresden für sich verbuchen konnte, will – anders als seine damalige Bühnenpartnerin Anna Netrebko für sich hat verlauten lassen – die Rolle so bald wie möglich wieder singen. „Ich bin mir fast sicher, dass auch Anna Netrebko die Rolle wieder singen wird“, sagte Beczała dem Magazin „Oper!“ in Wien. „Und ich: sowieso!“ Der Lohengrin sei „eine fantastische Erfahrung“ für ihn gewesen. „Das Unglück bestand nur darin, dass ich diesen Erfolg so wenig vorausgeahnt hatte, dass ich die Rolle für die nächsten Jahre nicht eingeplant hatte. Deswegen, und nur deswegen, folgt mein nächster Lohengrin erst 2020.“
Dirigent Zubin Mehta (81) glaubt nicht daran, dass man in seinem Beruf alles besser wissen müsse. „Es stimmt, dass wir in allen Stilen zuhause sein müssen“, sagte er in Berlin. „Das habe ich aber nur geschafft, weil ich von meinen Musikern gelernt habe.“ Er habe von Arthur Rubinstein die Selbstverständlichkeit der Interpretation übernommen, er sei „von Rostropowitsch und Menuhin korrigiert worden“. Man müsse wissen, „wann man etwas besser weiß. Und wann man besser den Mund hält.“
Agnes Giebel, mit 95 Jahren in Köln verstorbene Oratorien-Sängerin, war nicht nur eine Konzert-Sopranistin, die sich der Oper konsequent verweigerte, sondern auch Vorbild vieler Sänger späterer Generationen. „Ich habe sie unendlich verehrt“, so die Altistin Brigitte Fassbaender über Agnes Giebel. Auch Cembalist Mahan Esfahani bekannte sich zu ihr. Giebels bekannteste Aufnahmen sind die h-Moll- Messe unter Otto Klemperer sowie Bach-Kantaten unter dem Dirigenten Fritz Werner.
Choreograf Christian Spuck, der neuerdings (in Berlin) auch Wagner inszeniert, glaubt nicht, dass der Komponist tanzen konnte. „Tanzen muss er nicht“, so Spuck über Wagner. Die Frage eines tanzenden Holländers habe sich ihm gleichfalls bislang nicht gestellt. Allerdings könne man sich zu aller Musik bewegen, auch zu Wagner. „Ob man zu einer Musik tanzen kann“, so Spuck, „hängt nicht von der Musik, sondern von der Fantasie des Choreografen ab.“
Die britische Sopranistin Felicity Lott (70), als Konzertsängerin nach wie vor aktiv, hat durch Jahrzehnte hin gern mit Dirigenten auch schriftlich korrespondiert. Neben Charles Mackerras wechselte sie mit Carlos Kleiber nach eigenen Angaben etwa 30 Briefe. Einmal habe sie Kleiber auch angerufen, um die Erlaubnis von ihm zu erhalten, in einem Filmporträt über sie einen Ausschnitt aus dem berühmten „Rosenkavalier“ zu senden, der in Wien mitgeschnitten worden war. Alle Beteiligten hätten ihr von dem Anruf abgeraten, so Lott bei einem Gespräch in Heidelberg. Kleiber habe aber sofort und mit den Worten zugesagt: „Ich tue alles für dich, außer zu dirigieren“. Und „in deiner Show auftreten werde ich auch nicht“. Der Ausschnitt wurde gesendet.
Das Haus, in dem Pierre Boulez lebte und wo er im Januar letzten Jahres starb, soll verkauft werden, eine Gründerzeit-Villa in der Kapuzinerstraße 9 in Baden-Baden (unweit hinter dem Festspielhaus). Das Gebäude fasst auf ca. 550 Quadratmetern immerhin 20 Zimmer. Umschlossen wird es von einem 4000 Quadratmeter großen Park. Boulez lebte hier seit Beginn der 60er Jahre, war inzwischen Baden- Badener Ehrenbürger und ist in der Kur- und Bäderstadt auch begraben. Der Kaufpreis des Hauses wird auf etwa 2,8 Millionen Euro geschätzt. Ein Unterstützerkreis, zu dem auch Musiker der Berliner Philharmoniker gehören, hat sich dafür ausgesprochen, die Villa in ein Künstlerhaus umzuwandeln. Boulez starb ohne Testament. Das Erbe fällt an seine Nichten und Neffen.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 3 / 2017



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