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Und auf Platz 24: Musikhochschule Köln (c) Marco Verch/flickr.com

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Topf Ten

Statistiken sind so eine Sache. Manchmal erweisen sie sich als unentbehrlich, dann wiederum glaubt man, ohne sie besser leben zu können. Oft genug ist der Aspekt abhängig davon, wie man zu den Ergebnissen der Erhebung steht, das ist nur allzu menschlich. „Keine Spitzenplätze für Deutsche Musikhochschulen“ so liest es sich auf der Website der NMZ. Die QS World University Rankings haben gesprochen und dabei die deutschen Kunst-, und Musikhochschulen abgestraft. Nur vier Institutionen schaffen es in die Top 50 des Rankings der amerikanischen Firma Quacquarelli Symonds: HfMT München (Platz 16), „Hanns Eisler“ Berlin (Platz 20),HfMT Köln (Platz 24) und „Felix Mendelssohn Bartoldy“ Leipzig (Platz 37). Nun, was der Statistik Recht ist, ist dem Ranking billig und außer einem Wikipedia-Verweis zu den QS World Univerity Rankings findet man sowohl bei NMZ, als auch auf klassik.com, die das Ergebnis der Rankings ebenfalls veröffentlicht, nichts. Muss man auch nicht, die Fakten sprechen ja für sich. Es liegt am Geld. Oder?

Sicher, die Geldknappheit von kulturellen (Ausbildungs-)Stätten ist seit jeher ein kontrovers diskutiertes Thema und das ist gut so. Es existieren genug Gründe für die Aufstockung des Kulturetats in Bund, Ländern und Gemeinden, das ist jedem, dem der kulturelle Auf-, und Ausbau am Herzen liegt, völlig klar. Aber ist es nicht auch gefährlich, die Schwarzmalerei von Amerikanischen Ranking-Agenturen in diesem Zusammenhang als Argument anzuführen? Ganz abgesehen davon, dass die US-amerikanische Einrichtung der Hochschulrankings ohnehin umstritten ist, wurde die Sparte „Performing Arts“ zum ersten Mal miteinbezogen. Sind die Kriterien, die Quacquarelli Symonds nun schon Jahrzehntelang auf die Felder „Business and Management“, „Engineering and Technology“ etc. anwendet, für die Erhebung von Daten beispielsweise einer Hochschule für Musik und Theater überhaupt geeignet? Und wäre es nicht von größerem Interesse, die Schwachstellen und Qualitäten der Hochschulen im Einzelnen zu vergleichen, anstatt 400 Universitäten rund um die Erde gegeneinander statistisch auszuspielen? Außerdem definiert sich das – zugegebenermaßen sehr ausgeklügelte – System der Bewertung immer noch quantitativ und nicht qualitativ: Akademiker-Empfehlungen, Arbeitgeber-Empfehlungen und Zitate pro Fakultät, die zusammen genommen 60 Prozent der Bewertung ausmachen, sind bei näherer Betrachtung nicht zwingend repräsentativ für die Qualität einer Hochschule. Während Prof.X für Liedbegleitung fachlich und pädagogisch kaum zu überbieten ist, können Professoren Y und Z für Musikwissenschaft inkompetent sein, ohne dass dies der Ausbildung eines werdenden Liedbegleiters einen Abbruch täte. Es ist notwendig, sich Gedanken über den Zustand der deutschen Musikhochschulen zu machen und Verbesserungen in die Wege zu leiten. Ob derartige Rankings dazu wirklich aussagekräftige Hilfestellungen liefern, ist allerdings zweifelhaft.



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