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Wagner-Urschlamm: Wagner: „Die Feen“

Leipzig, Oper

Wie ist es möglich, dass ein musikalisches Ass wie Wagner eine dermaßen fürchterliche Oper schrieb?! Wirre Handlung. Endlos mäandernde Matsch-Lawinen. Und Partien, bei denen sich die sattelfestesten Sänger die Stimme verrenken. Nichts gegen Wagner generell! Aber „Die Feen“ – ähnlich dem anderen verstoßenen Frühwerk „Das Liebesverbot“, aber nicht so schlimm wie „Rienzi“ – sind ein Lehrstück dieses WagnerJahrs: gerade deswegen, weil man um eine Erklärung ringt für diesen Bauchklatscher.
Die Aufführung in Leipzig ist nicht Schuld. Sondern tut, was man vermag. Szenisch aufwendig auf diverse Ebenen verteilt und mit unzähligen Szenenwechseln aufgehübscht, sorgt Regisseur René Doucet (früher Choreograf und Coach von Alfredo Kraus und Mirella Freni) für Buntheit und Variation. Das Fantasy-Biedermeier der Schürzchen, Bausch-Röckchen und Elefantenärmel bildet einen märchenhaften Gegensatz zum Spukmittelalter der Feldherren und Zofen. König Arindal ist ein Radiohörer von heute, der sich – so will es das Inszenierungskonzept – von einer Rundfunk-Übertragung live aus der Oper Leipzig anstecken und in die Handlung hineinziehen lässt. Niedliche Sache. Der man die Not freilich anmerkt, etwas Neues zu schaffen und gleichzeitig keine liebe Seele im (diesmal stets ausverkauften!) großen Haus der Leipziger Oper zu verschrecken.
Arnold Bezuyen ward die KrafttenorHauptrolle des Arindal gewiss nicht an der Wiege gesungen. Er stemmt sich beachtlich von Ton zu Ton. Christiane Libor (Ada) muss vokal wehrhaft militant und schreckhaft lyrisch zugleich bleiben. Respekt! Dirigent Ulf Schirmer spielt mit souverän ordnender Hand den Schupo in diesem permanenten Stoß- und Kreisverkehr. Die hingebungsvolle Leistung bringt einen überhaupt erst zu der Erkenntnis: dass Wagner wohl das einzige Genie der Musikgeschichte war, das sich dermaßen aus dem Urschlamm der eigenen Eingebungen hervor gewühlt hat. Anlässlich der Wagner-Feierlichkeiten dieses Jahres reist die Produktion dahin, wo diese Einsicht hingehört: nach Bayreuth. Robert Fraunholzer

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 3 / 2013



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