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Zugabe

Von der Hinterbühne berichtet Robert Fraunholzer.

Dirigent Claudio Abbado hat in Bologna das dortige Erdbeben direkt miterlebt. Er sei »aufgewacht, weil in der Küche eine Terracotta-Madonna vom Regal gestürzt und in tausend Stücke zersprungen« sei. »Das hat mehr Krach gemacht als das Erdbeben.« Abbado setzt sich mit Spendenaktionen für das beschädigte Theater von Ferrara ein, wo er regelmäßig konzertiert. Der 79-Jährige, der von seiner Krebserkrankung vollständig genesen ist, lebt in der Altstadt von Bologna sowie auf Sardinien.
Der neue Intendant der Deutschen Oper Berlin, Dietmar Schwarz, kocht für seine Sänger. »Käsespätzle kann ich am Besten«, sagte der aus Biberach an der Riß stammende Schwabe. In Basel habe er den Brauch einer jeweiligen »Produktionsparty« bei sich zuhause eingeführt. »Ich finde es wichtig, dass die Gäste die Weinflaschen selber öffnen, um sich wie zuhause zu fühlen. Natürlich kann man das mit einer Angela Gheorghiu nicht machen«, so Schwarz. Beim Philadelphia Orchestra ist der drohende Konkurs endgültig abgewendet worden. Es mussten 30 Millionen an zusätzlichen privaten Mitteln eingeworben werden. Namhaft beigetragen hat zum Erfolg angeblich eine China-Tournee des neuen Chefdirigenten Yannick Nézet-Séguin. Von ihm erhofft man sich auch mehr jüngeres Publikum. Maxim Vengerov (38) meldet sich als Geiger zurück. Nach einer Armverletzung im Jahr 2007, angeblich aufgrund eines Sturzes in der Dusche, hatte er seine Virtuosen- Karriere weitgehend unterbrechen müssen. Der Versuch, sich als Dirigent einen Namen zu machen, war mehr oder weniger gescheitert. Im Juli sprang Vengerov beim Verbier Festival für den erkrankten Christian Tetzlaff ein. Für Herbst und Winter sind Konzerte und Recitals in Japan, Kanada sowie in Hamburg und München angekündigt. Dirigent Christophe Rousset (51) hält den Ausgleich, den er am Cembalo findet, für unbedingt nötig, um als Dirigent funktionieren zu können. Man verliere als Dirigent viel Energie, weil man für alles verantwortlich sei, ohne viel mit anderen teilen zu können, sagte er im britischen Aldeburgh. »Nur wenige Dirigenten bringen es fertig, im Anschluss an ein Konzert mit den Musikern in ein Restaurant zu gehen. Schon das würde für Konfusionen sorgen.« Von alldem erhole er sich am Cembalo, wo er mit sich alleine sei und die Aggregate ungestört wieder aufladen könne.
Pianist Murray Perahia (65) hat nie verstanden, weshalb man ihm jahrelang das Etikett »poetisch« anhängte. »Wenn ich all meine Leidenschaften in mein Spiel hineinlegte, sagte man lediglich: wie elegant!«, so Perahia. In Wirklichkeit gehe er lieber ins Theater statt Gedichte zu lesen. Überhaupt seien Dramatik und die virtuose Beherrschung des Materials viel wichtiger. »Vladimir Horowitz, mit dem ich befreundet war, sagte mir, ohne ein gewisses Maß an Virtuosität werde man nie zur Poesie und zur Erzählkraft eines Musikstücks vordringen. Ich glaube, er hat Recht«, so Perahia. Zur Krise in seiner Karriere aufgrund einer Schnittverletzung am rechten Daumen (vor inzwischen 20 Jahren) sagte Perahia, er habe stark darunter gelitten, möglicherweise nie wieder auftreten zu können. »Es war eine wahrlich dunkle, hoffnungslose Periode in meinem Leben.«
Die amerikanische Mezzo-Sopranistin Joyce DiDonato hat erstmals ein Album nur als Download veröffentlicht (auf iTunes). Es handelt sich um den Mitschnitt eines Konzerts in ihrer Heimatstadt Kansas City, unter anderem mit der Rossini-Kantate »Giovanna d’Arco« und vier Orchester-Liedern von Jake Heggie.
Herbert Blomstedt, mit inzwischen 85 Jahre eine Art Doyen der Dirigenten- Zunft, hat das Geheimnis seiner Frische folgendermaßen zusammengefasst: »Das Kunststück besteht darin, unzufrieden zu bleiben und doch beim Orchester für gute Stimmung zu sorgen.« Außerdem verlangsame die Tatsache, dass man während des Dirigierens nicht an sich selber denkt, den Alterungsprozess. »Ich bin wie weggetreten. Und zugleich voll da.«

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 4 / 2012



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