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Bekam Flügel: Daniel Barenboim ist im 7. Himmel (c) Karina Schwarz_DG

Pasticcio

Farewell, Steinway!

Vladimir Horowitz hat es getan. Und auch Krystian Zimerman reist weiterhin ausschließlich mit seinem eigenen Instrument von Konzert zu Konzert. Denn aus welcher Edelschmiede der Flügel in den jeweiligen Konzertsälen auch kommen mag – irgendwann haben Spitzenpianisten einfach die Nase voll, sich ständig und bisweilen mehr schlecht als recht aufs neue Spielgerät einstellen zu müssen. Auch Daniel Barenboim gehört nun neuerdings zu den Handverlesenen, die es sich auch finanziell leisten können, mit ihrem persönlichen Flügel durch die Weltgeschichte zu reisen. Doch im Fall dieses Jetset-Musicus stehen die Dinge noch etwa anders. Denn Barenboim hat sich den Herzenswunsch erfüllt, endlich auf einem nach seinen Wünschen und Vorstellungen gebauten Flügel spielen zu können.
Vor sechs Wochen standen die Flügelpacker mit dem guten Stück vor der Haustür. Und nach zehn Tagen des gegenseitigen Beschnupperns ist der 72-Jährige im 7. Himmel. Das vom belgischen Instrumentenbauer Chris Maene in 4.000 Arbeitsstunden und in Zusammenarbeit mit Steinway hergestellte Klavier vereint für Barenboim alle Vorzüge eines modernen Flügels mit denen eines historischen, den er 2011 im italienischen Siena spielen durfte und der ihn überhaupt auf die Idee gebracht hatte. Es war ein restaurierter Flügel von Franz Liszt, bei dem die Saiten nicht wie üblich über Kreuz verlaufen, sondern parallel. Genau das wurde jetzt kopiert. Und auch die komplett anders verlaufende Maserung des hölzernen Resonanzbodens sorgt laut Barenboim nun dafür, dass man einen noch transparenteren, klareren Klang hat. Nach 65 Jahren Steinway-Treue geht Barenboim also nun für immer fremd – mit dem nach ihm benannten Flügel, der vorerst nicht in Produktion gehen soll. Aber wenn die ersten Scheichs mit den Scheckbüchern winken, wird der Maestro sicherlich noch einen Platz im proppevollen Terminkalender finden, um eine fabrikneuen und von ihm signierten „Barenboim“ höchstpersönlich vorbeizubringen.

Guido Fischer



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