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Samos Young Artists Festival

Der Wind, die Wellen, das Violoncello

Auf der griechischen Trauminsel stellen sich einmal im Jahr nicht nur großartige Musiktalente vor – auch einige Top-Stars reisen 2015 wieder an.

Die ostägäische Insel Samos ist so ein Ort, wo man gar nicht auf dumme Gedanken kommen kann. Denn das Klima und die Vegetation üben einfach eine inspirierende Kraft auf Körper und Geist aus. Berühmtestes Beispiel dafür ist natürlich Pythagoras, der hier schon vor 2500 Jahren ausreichend Muße für seine bahnbrechenden Ideen über die Musik, Mathematik und den Vegetarismus fand. Heute ist Samos zwar vorrangig das Ziel von Sonnenanbetern und Urlaubshungrigen. Doch seit 2010 mischen sich im August immer mehr Musikliebhaber unter die Besucher. Denn hier hat sich ein kleines, aber besonderes Musikfestival etabliert. Einmal im Jahr, für eine ganze Woche, lädt das deutsch-griechische Ehepaar Kurt und Chiona Xanthopoulou-Schwarz junge Musiker aus aller Welt ein, um unter herrlichsten Bedingungen miteinander zu arbeiten. Und am Ende eines jedes Tages präsentieren die Stipendiaten ihr Können vor zahlreichem Publikum – unter freiem Himmel und vor traumhafter Kulisse. Immerhin wurde das Amphitheater von Pythagorion schon im 4. Jahrhundert vor Christus erbaut und bietet während der Konzerte einen Blick auf die malerische Hafenstadt.
Das völlig privatfinanzierte und damit von der griechischen Finanzkrise unabhängige Samos Young Artists Festival setzt aber nicht nur auf Klassik. Das Ziel war von Beginn an, musikalisch Brücken zu schlagen. So bietet die 6. Ausgabe wieder Kammermusik und Jazz, klassisches Lied und Weltmusik. Und erneut hat der künstlerische Leiter Daniel Nodel bei den eingeladenen Musikern auf die entsprechende Mischung geachtet. Da trifft die südkoreanische, von Anne-Sophie Mutter geförderte Geigerin Ye-Eun Choi auf die gestandene Pianistin Silke Avenhaus. Der großartige Schubert-Flüsterer Herbert Schuch wird nach der Pause mit einer jungen türkischen Kollegin vierhändig Strawinskis „Sacre du printemps“ in die Tasten hämmern. Das aus St. Petersburg stammende Terem-Quartet spannt den Bogen von der russischen Volksmusik hin zur Weltmusik. Und zwischendurch gibt es einen Quintett-Abend, für den sich u. a. Silke Avenhaus mit dem deutschen Cello-Überflieger Maximilian Hornung und Daniel Nodel verbündet.
Nodel, der im Hauptberuf Violinist beim Symphonieorchester des BR ist, weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig solche Begegnungsmöglichkeiten zwischen aufstrebenden und gestandenen Musikern sind. „Ein junger Musiker braucht rund 10.000 Stunden, bis er sein Instrument zufriedenstellend beherrscht. Um sich aber auch als Künstlerpersönlichkeit weiterzuentwickeln, benötigt er von erfahrenen Kollegen immens viel Input. Und natürlich ist es ebenfalls notwendig, dass man sich auf Wettbewerben, in Konzerten oder auf Festivals wie dem Samos Young Artists Festival präsentieren kann. Den langen Weg hin zum Erfolg kann man einfach nicht alleine gehen.“
Diese Chance lassen sich wie in den vergangenen Jahren somit auch 2015 die jungen Stars von morgen nicht entgehen. Wobei das Festivalpensum durchaus Zeit für Entspannung, Landpartien und Schiffstouren lässt. Und für zumindest ein Mitbringsel sollten auch die Musiktouristen Platz in ihren Koffern reservieren: In jedem Souvenirshop bekommt man jenen sogenannten „Pythagoreischen Becher“, mit dem der schlaue Philosoph wusste, wie man aus einem Weinzecher einen Weingenießer macht.


Samos Young Artists Festival: 7.–13.8.
www.schwarzfoundation.com/de


Guido Fischer, RONDO Ausgabe 3 / 2015



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