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Wasteland (c) BengtWanselius med

Movimentos

Vielfalt, auf höchstem Niveau

Originale der besten Choreografen von heute: Damit gastiert die GöteborgsOperans Danskompani bei den Movimentos Festwochen.

Ein gekachelter Raum, weiß, aseptisch – irgendwo zwischen Waschküche, Krankenzimmer und Gummizelle. Müllkörbe und verstreuter Abfall verweisen auf den ansteigenden Konsum, der die Sehnsucht nach bleibenden Werten nicht stillen kann. Dynamisch und beklemmend zugleich klingt die Musik der Band Stray Dogs, deren Album „Wasteland“ aus dem Jahr 2013 die gleichnamige Vorstellung vorantreibt. Dunkle Cellotöne und elektronisch generierte Klänge ergeben ein sprechendes Klangbild für diese dynamische, aber auch verrätselte Choreografie, die ihre Protagonisten immer mehr in die Verödung und den Wahnsinn wirbelt.
Mit „Wasteland“ stellt sich bei den renommierten Movimentos Festwochen, die die Autostadt Wolfsburg nun schon zum 13. Mal ausrichtet, keine neue, aber eine sehr veränderte Tanztruppe aus Schweden vor: die Göteborgs- Operans Danskompani. Das Ensemble war zwar bereits 2008 mit drei Choreografien zu Ravels „Boléro“ im ehemaligen VW Kraftwerk am Mittellandkanal zu erleben. Die neue Bezeichnung macht nun auch nach außen deutlich, dass sie sich bereits seit den 2000er Jahren von einem renommierten klassischen Ballettensemble zu einem der experimentierfreudigsten Ensembles des zeitgenössischen Tanzes entwickelt hat. Doch nicht nur durch tänzerisches Können gelingt es, die individuellen Charakteristika der Arbeiten unterschiedlichster berühmter Choreografen – darunter etwa Sidi Larbi Cherkaoui, Saburo Teshigawara und Marie Chouinard – erlebbar zu machen. Zugleich füllt das Ensemble auch abstrakte Formensprachen mit leidenschaftlicher Expressivität.
Vielfalt auf höchstem Niveau, das ist das Ziel der seit August 2011 in der zweitgrößten Stadt Schwedens als Tanzchefin amtierenden Adolphe Binder. Die gebürtige Rumänin ist in Deutschland aufgewachsen und bekannt für ihre Arbeit in Berlin, wo sie als künstlerische Direktorin des Berlin Balletts an der Komischen Oper sowie als Ballettdramaturgin der Deutschen Oper fungierte. Neben ihrem Engagement in zahlreichen Gremien und Jurys war sie als Kuratorin und Programmdirektorin für internationale Tanzfestivals wie auch für die Expo 2000 in Hannover verantwortlich.
In Göteborg teil sie sich das mächtige, 1994 eröffnete und von dem Architekten Jan Izikowitz in Bezug zu dem Hafen, den Schiffen, Segeln und Kränen gestellt Opernhaus mit der Musiktheater-Kompagnie, die auch regelmäßig große Musicals spielt. Adolphe Binder aber schaut nur nach vorn, ihr ist es ernst mit einem Bekenntnis zur Zeitgenossenschaft. Deshalb lädt sie berühmte Choreografen für Uraufführungen ein und gastiert mit diesen einzigartigen Novitäten dann anderswo.
So jetzt auch Inger Johannessen für „Wasteland“ Die norwegische Tanzschöpferin studierte am Oslo National College of Performing Arts, wo sie heute Choreografie unterrichtet. Seit 1992 hat sie Arbeiten für zahlreiche Tanzensembles entwickelt, darunter Les Ballets de Monte Carlo und das Cullberg Ballet. 1996 gründete Johannessen das Ensemble Zero Visibility Corp., das bei den Movimentos Festwochen 2011 mit „Now She Knows“ in der Choreografie seiner künstlerischen Leiterin zu erleben war.

Movimentos Festwochen

„Frieden“, 10. April – 17. Mai 2015
www.movimentos.de

„Wasteland“, 15. – 17. April, je 20 Uhr
GöteborgsOperans Danskompani

Roland Mackes, RONDO Ausgabe 2 / 2015



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