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Dorothee Oberlinger (c) Johannes Ritter

Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Sopranistin Mirella Freni, die im Februar ihren 80. Geburtstag feiert, wird privat „Cha-cha“ genannt. „Meine Enkelin hat das erfunden“, so Freni in Modena, wo sie lebt. „Sie war neun Monate alt, als ich ihr einmal zurief: ‚Komm auf den Arm!’ Auf Italienisch heißt das: ‚braccio’ oder ‚braccia’. Ab da rief sie immer ‚Chacha’, wenn sie mich sah.“ Inzwischen hat auch der Rest der Familie den Kosenamen übernommen.
Dirigent Zubin Mehta bevorzugt unter den Wiener Mehlspeisen besonders den „Mohr im Hemd“ – und findet nichts dabei. Das sagte er in seinem Haus in Italien im Vorfeld des Wiener Neujahrskonzerts. Auf die Frage, ob ihn der Name jener Mehlspeise nie gestört habe, antwortete er der Schweizer „SonntagsZeitung“: „Ach nein, das ist halt so Wiener Tradition.“ Er sei auch einige Male beim Wiener Opernball gewesen. „Es war die Zeit, als etliche Herren dort noch das Eiserne Kreuz spazieren führten. Sie galten als Kriegshelden. Es hat mir nichts ausgemacht.“ Mehta war seit den 50er Jahren der erste international erfolgreiche Dirigent, der nicht aus der westlichen Welt kam.
Tenor und (wie alle Sänger) Erkältungs-Experte Juan Diego Flórez empfiehlt für die nächste Kälteperiode möglichst „keine Medikamente“. „Wenn ich eine Erkältung kommen fühle“, so Flórez, „nehme ich höchstens etwas Paracetamol. Sonst nichts.“ Wichtig für die Abwehr sei ausreichend Schlaf. „Wobei ich sieben Stunden für genügend halte. Mehr kriege ich auch nicht, denn wir haben schließlich einen Sohn und eine Tochter, Leandro und Lucia.“ Seine Frau, die Schauspielerin Julia TrapTrappe, habe ihn außerdem vom Fleischkonsum abgebracht. „Wir sind Vegetarier“, so Flórez in Ludwigshafen, wo er für seine Education-Stiftung in Peru 25.000 Euro von der BASF entgegen nahm.
Dass die deutsche Flötistin Dorothee Oberlinger auf dem Cover ihrer CDs immer ein bisschen aussieht wie die junge Jane Birkin, liegt möglicherweise daran, dass die Fotos von ihrem Ehemann, dem Fotografen Johannes Ritter geschossen werden. Er sei, so Oberlinger in Berlin, ein Fan der französischen Schauspielerin. Deswegen dürfe sie auf den Fotos auch nie lächeln.
Sopranistin Anna Tomowa-Sintow, Karajans letzte Diva, glaubt, dass ihre Stimme „wie bulgarischer Joghurt“ klang. Sie selbst stammt aus dem angeblichen Heimatland des Joghurts. Karajan habe sie entsprechend vielseitig eingesetzt. Und zwar immer legato! „Der Schlüssel dazu lag darin, dass man die Partie bei Karajan immer über den Punkt hinaus fühlen sollte, den man gerade sang“, so Tomowa- Sintow. „Man sollte tief in sich drin verspüren, wohin die Rolle geht. Und wie es weitergeht. Nicht nur den Augenblick auskosten. Sondern vorwärts denken und fühlen.“
Dirigent Philippe Jordan, Chef der Opéra National de Paris sowie der Wiener Symphoniker, hat seine Wohnung in Berlin trotzdem behalten. „Es ist erstaunlich, wie erholsam ein paar Tage in Berlin sein können, selbst wenn man aus Paris kommt ...“, sagte er in Wien.
Bariton Thomas Quasthoff tritt gelegentlich wieder als Sänger auf – zumindest im Jazz. Einen ganzen Abend gestalten will er indes nicht mehr. „Erstens finde ich, wenn ich aufhöre und dann wieder anfange, wäre das nicht integer.“ Außerdem „schaffe“ er auch „keinen ganzen Abend“ mehr. „Mein Rücken ist kaputt“, so Quasthoff zuhause in Berlin. „Schauen Sie sich hier einmal um. Die vielen Schmerzmittel dort liegen nicht wegen der hübschen Verpackung da. Wenn ich morgens aufstehe, brauche ich eine Weile, um aufrecht gehen zu können. Das ist Verschleiß aufgrund meiner Behinderung.“ Dennoch sehne er sich nicht nach dem alten Leben zurück. „Ich habe festgestellt, dass ich immer dann, wenn ich mich früher freute, wieder auf Reisen zu gehen, heutzutage froh bin, zuhause zu bleiben. Es ist gut so wie es ist.“

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 1 / 2015



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