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Konrad Jarnot

Satte Töne

33 Jahre jung ist er und am Fuße eines ebenso faszinierenden wie gefährlichen Gebirges namens Sängerlaufbahn: Der Bariton Konrad Jarnot hat das Zeug zur ganz großen Karriere. Michael Wersin traf ihn in Begleitung von Mops Benny im Augsburger Hotel „Drei Mohren“.

Ist der 1972 im englischen Brighton geborene Bariton tatsächlich ein „Magier des Mezzavoce“, wie vor einiger Zeit ein Rezensent schrieb? Gewiss, er versteht zweifellos auch mit leisen Tönen zu bezaubern, aber eigentlich singt er noch viel lieber laut, kraftvoll und männlich: Die gesunde Körperhaftigkeit, der offene, volle, vom Brustregister gesättigte Klang begeistern ihn, das gibt er unumwunden zu. Unter anderem deshalb klingen seine „Vier letzten Lieder“ oder seine „Shéhérazade“ so atemberaubend neu, denn mit solch bodenständiger Fülle und Energie auch in der hohen Lage vermögen Frauenstimmen, mit denen diese Lieder gewöhnlich besetzt sind, in der Regel nicht aufzuwarten. Seine Vorliebe für satte Töne macht Jarnot sicher nicht zum typischen Fischer-Dieskau- Schüler. Dafür ist er aber – wie wohltuend! – endlich mal einer, der nicht genauso klingt wie der Meister, dessen Kopfstimmenzauber für Generationen von Nachwuchsbaritonen zur süßen Verlockung (und auch zur Falle) wurde.
Seinen Vornamen hat Jarnot dem Interesse seiner Mutter an der deutschen Nachkriegsgeschichte zu verdanken, und mehr noch: Schon vor längerer Zeit hat der ARD-Wettbewerbs- Gewinner des Jahres 2000 Deutschland zur Wahlheimat erkoren, denn in England, so erzählt er, kann man es nur als begabter Laie oder aber als Star zu etwas bringen, und selbst um Letzteres zu werden, müsste man das Land verlassen. Seine überraschend guten Sprachkenntnisse erwarb er nicht in Kursen, sondern durch das Fernsehen – besonders Gameshows erwiesen sich als instruktiv –, und er lebt gerne in seinem Haus in der Nähe von Stuttgart, wo er schnell einen Kreis von guten Freunden gefunden hat. Gesungen habe er praktisch schon immer: Schon bevor er sprechen konnte, hatte der kleine Konrad für alles, was mitzuteilen war, eine Melodie parat. Seiner Mutter war das eher unheimlich, sie befürchtete eine frühkindliche Fehlentwicklung.
So kraftvoll und erdverbunden Jarnot singt, so wenig ist er doch ein Stimmprotz: Zwar erzählt er, der bisher vor allem als Liedsänger Popularität erlangt hat, von dem Pelléas, den er bald unter Brigitte Fassbaenders Regie in Innsbruck verkörpern wird, und bekennt auch, dass dies sicher kein so lyrisch-verhaltener Pelleás werden wird, wie man ihn meistens zu hören bekommt. Dass er demnächst aber auch Amfortas und Wozzeck singt, berichtet nicht er selbst, sondern sein Agent, während Jarnot noch allein mit der Fotografin auf der Maximilianstraße unterwegs ist: Er spricht nicht gern über die großen Aufgaben, denen er sich stellt, bevor er sie bewältigt hat.

Neu erschienen:

Mozart

Lieder aus drei Generationen

Konrad Jarnot,Alexander Schmalcz

Oehms Classics/harmonia mundi

Michael Wersin, RONDO Ausgabe 3 / 2006



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