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Von der Hinterbühne berichtet Robert Fraunholzer.

Die Salzburger Osterfestspiele haben den ehemaligen Intendanten der Wiener Staatsoper, Ioan Holender, im offenen Konflikt ausgesperrt. Holender hatte die Osterfestspiele öffentlich als »Larifari-Festspiele ohne Konzept« sowie als »moribunde, künstlich am Leben gehaltene Fehlinvestition« bezeichnet. Laut Peter Alward, dem Leiter der Osterfestspiele, ist dies ein Ausdruck persönlicher Abneigung und mangelnder Wertschätzung. Holender, ehemals einer der mächtigsten Intendanten der internationalen Opernszene, hatte für den Privatsender »Servus TV« die Festspiele besuchen und darüber berichten wollen. Einen »ganz normalen Vorgang« nennen dies die Festspiele.
Der in Bremerhaven tätige Kapellmeister und Solorepetitor Rodolfo Cazares ist in seiner Heimat Mexiko entführt worden. Der Vorgang liegt angeblich schon mehr als ein halbes Jahr zurück. Bewaffnete und maskierte Entführer drangen laut einem Bericht des »Wall Street Journal« in das Haus des Musikers ein und kidnappten ihn, seine Frau sowie weitere 18 Familienmitglieder, darunter mehrere Kinder. Der Fall war bisher vor der Öffentlichkeit geheim gehalten worden. Entführungen gelten in Mexiko als ein seit Jahren grassierendes und sich ausbreitendes Unwesen. Von den Entführten fehlt jede Spur.
Während eines Konzertes in Zaragoza ist der amerikanische Geiger Joshua Bell auf dreiste Weise bestohlen worden. Diebe gaben sich in seinem Hotel für den Musiker aus und ließen sich sogar den Hotelsafe öffnen. Bargeld, Wertsachen, eine Uhr und ein Laptop kamen abhanden. Joshua Bell spielte währenddessen mit dem London Philharmonic Orchestra unter Vladimir Jurowski das Violinkonzert von Johannes Brahms.
Die 80-jährige Reri Grist, das »erste schwarze Blondchen« in Mozarts »Entführung aus dem Serail«, glaubt nicht, dass ‚die schwarze Stimme’ Ausdruck der Hautfarbe ist. »Fast alle farbigen Opernsänger, die ich kenne«, so Grist in Hamburg, »waren stark in Berührung mit der baptistischen oder methodistischen Kirche. In diesen Kirchen hat sich eine bestimmte Gesangstradition etabliert: der Gospel.« Das sei, was man als schwarze Stimme empfindet.
Selten werden Musiker-Konflikte so offen und beherzt ausgetragen wie der zwischen Marin Alsop und Riccardo Muti. Beim Scala-Debüt der amerikanischen Dirigentin hatte der italienische Maestro verlauten lassen, es gebe nun einmal Opernwerke, die von Frauen nicht dirigiert werden können. Zum Beispiel »Otello«. Schon bei ihrer Pressekonferenz unmittelbar vor dem Mailand- Debüt hatte Alsop gecontert, sie wünsche sich nichts so sehr wie Verdis »Otello« an der Scala, und zwar »mit Riccardo Muti in der ersten Reihe«. Jetzt lud sich die frisch zum Sao Paulo Symphony Orchestra berufene Marin Alsop für ihr Einstandskonzert ausgerechnet den Schwiegersohn Mutis als Solisten ein: den Pianisten David Fray. Er erklärte ihr nach der Aufführung von Mozarts Klavierkonzert Nr. 22 prompt, sie sei »der einzige Dirigent, mit dem ich jemals zusammenarbeiten möchte«. David Fray ist mit der Tochter des Dirigenten, Chiara Muti, verheiratet.
Céline Moinet, neuer Oboen-Star und Solo-Oboistin der Staatskapelle Dresden, zieht beim Üben im Hotelzimmer immer eine Socke über ihr Instrument, um die Nachbarn nicht zu stören. Um wessen Strumpf es sich dabei handelt, ließ sie offen. Als Freundin des Lied-Baritons Matthias Goerne ist die Bandbreite der Möglichkeiten nicht groß.
Der legendäre Chor-Leiter Walter Hagen-Groll, regelmäßiger Mitarbeiter Herbert von Karajans bei dessen Schallplattenaufnahmen, hatte gegenüber dem berühmten Dirigenten durchaus musikalische Vorbehalte. Karajan verpflichtete Hagen-Groll regelmäßig mit dem Chor der Deutschen Oper Berlin. Zentrale Projekte wie etwa die »Götterdämmerung« hätten ihn indes musikalisch nicht überzeugt, so der heute 84-Jährige in Salzburg. Bei Karajans Aufnahme der »Lobgesang«-Sinfonie von Felix Mendelssohn habe er, Hagen- Groll, sogar selber einen Choral dirigieren müssen, weil Karajan keine Lust hatte. Auch habe er das Angebot, in Bayreuth Nachfolger des großen Wilhelm Pitz zu werden, mit Rücksicht auf Karajan ausgeschlagen. »Sie wollen nach der Bayreuther Pfeife tanzen?!«, habe Karajan ihm eifersüchtig entgegengehalten. An der »Bewunderung für Karajan« ließ Hagen-Groll indes grundsätzlich keinen Zweifel. Selbst dann nicht, wenn viele Leute heute Kritik an Karajan übten. Schon damals übrigens hätten die Leute von der »Deutschen Grammophon«, sobald Karajan den Wiener Singverein bevorzugte, immer gespottet: »Jetzt kommt wieder das Wiener Krampfadern-Geschwader.«
Die wohl erste schwarze Geigerin der Interpretationsgeschichte, die junge Tai Murray aus Chicago, ist nach Berlin gezogen. Aber die Künstler-Quartiers wechseln! Tai Murray ist nicht etwa ins hippe Prenzlauer Berg oder nach Potsdam gezogen. Sondern nach Berlin-Spandau. Neue Mitte, adé!

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 2 / 2012



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