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Rondo-Gespräche zum Musiksponsoring

Mit Energie dabei

Schwere Zeiten für Energieversorger. Auch E.ON hat es nicht leicht, einer sensiblen Öffentlichkeit das Preisgefüge auf den Strom- und Gasmärkten zu vermitteln. Da tut es gut, wenn man sich im Gespräch mit RONDO auch mal von einer anderen Seite zeigen kann: als Förderer verschiedenster kultureller Aktivitäten, in erster Linie (aber nicht nur) am Standort der Konzernzentrale in der Rhein/Ruhr- Region. Unsere Interviewpartner waren Dorothee Gräfin von Posadowsky, Leiterin des E.ON Kultursponsorings, und ihr Kollege bei der Tochtergesellschaft E.ON Ruhrgas, Dr. Steffen Bruendel.

RONDO: Ganz schön vielseitig sind Ihre Förderaktivitäten auf dem weiten Feld der Musik: Progressives in München, Bewährtes im Norden, Etabliertes in Württemberg, und von all dem eine Menge hier in Rhein-Ruhr.

v.Posadowsky: Stimmt. Wir sind in Deutschland überall dort kulturell engagiert, wo wir entweder einen Unternehmenssitz haben oder sich unsere Versorgungsgebiete befinden.

RONDO: Eines der Hauptengagements von E.ON ist die Internationale Bachakademie Stuttgart.

v.Posadowsky: Ja, und obwohl Stuttgart nicht zu unserem Versorgungsgebiet gehört, liegt uns dieses Engagement besonders am Herzen. Wir fördern dort speziell das Festivalensemble, ein vom Leiter der Bachakademie, Professor Rilling, initiiertes Projekt, bei dem junge Sänger und Instrumentalisten aus mehr als 20 Ländern jeden Sommer in Schloss Salem am Bodensee zu einem mehrwöchigen Workshop zusammenkommen und anschließend auf internationale Tournee gehen. Professor Rilling möchte so helfen, Brücken zu bauen zwischen den Menschen der verschiedenen Nationen und Grenzen überwinden – auch in den Köpfen.

RONDO: Im vergangenen Jahr hatte Rilling über 250 Musiker für Benjamin Brittens »War Requiem« auf der Bühne.

v.Posadowsky: 2008 soll das Ensemble wieder etwas kleiner werden. Bachs Matthäus-Passion und Schuberts Sinfonie Nr.7, die Unvollendete, sollen die herausragenden Programme sein, mit denen das Orchester u.a. auf dem Europäischen Musikfest Stuttgart und beim Rheingau Musik Festival auftreten wird.

RONDO: Das Festivalensemble ist auch ein schönes Beispiel, wie sich ein Land, in diesem Fall Baden-Württemberg, aber für andere Länder gilt das natürlich genauso, in Zeiten schmaler Kassen aus einer Kulturfinanzierung zurückzieht, vielleicht zurückziehen muss, und man dann froh sein muss, dass ein Unternehmen einspringt und die Lücken auffüllt.

v.Posadowsky: Ja, und für uns war und ist das auch keine Eintagsfliege. Wir haben gerade den Vertrag mit der Bachakademie bis zum Jahr 2009 verlängert, nachdem Professor Rilling erklärt hat, in diesem Zeitraum auch weiter der Akademie vorzustehen.

RONDO: Rilling und seine jungen Musiker sind nicht das einzige Nachwuchs-Förderprogramm von Ihnen.

v.Posadowsky: Nein, wir kooperieren auch schon seit Jahren mit der Robert Schumann Musikhochschule hier in Düsseldorf und haben zahlreiche Initiativen gefördert.

RONDO: Bei der Finanzierung hochkarätiger Musikereignisse entwickelt die Gas-Tochter E.ON Ruhrgas ein recht interessantes Eigenprofil.

Bruendel: Als größter deutscher Gasimporteur betonen wir in der Kulturförderung die Beziehung zu unseren Gas-Lieferländern – in erster Linie Norwegen und Russland – sowie zu den Ländern, in denen wir energiewirtschaftlich tätig sind. So fördern wir aktuell das Kulturprogramm der Essener Lichtwochen, deren Gastland Norwegen ist mit einer ganzen Reihe norwegischer Musikveranstaltungen. Ein anderes Beispiel ist das Klavierfestival Ruhr, hier brachten wir im vergangenen Sommer Grigory Sokolov nach Essen. Und im November ermöglichten wir den Auftritt des baltischen Nordic Symphony Orchestra im Rahmen der EUROPAMUSICALE in Berlin. Umgekehrt gilt: E.ON Ruhrgas fördert auch den Auftritt deutscher Künstler in unseren Lieferländern. Hier möchte ich beispielsweise Anne-Sophie Mutters Konzerte hervorheben, die 2006 in Norwegen stattfanden. Wir wollen unsere Energiepartnerschaften in Europa durch Kulturpartnerschaften festigen.

RONDO: Beim größten musikalischen Ereignis in der Region, dem Klavierfestival Ruhr, sind sowohl E.ON als auch E.ON Ruhrgas engagiert.

v.Posadowsky: Hinter dem Klavierfestival steht der Initiativkreis Ruhrgebiet mit rund 60 Unternehmen aus der Region, die dieses inzwischen bedeutendste Klavierfestival der Welt ohne jeden Zuschuss aus öffentlichen Kassen realisieren. Der langjährige Intendant, Professor Ohnesorg, sorgt dafür, dass die beteiligten Unternehmen zumindest eine der in diesem Jahr fast 90 Veranstaltungen unterstützen.

RONDO: E.ON engagierte sich 2007 verstärkt für das Klavierfestival.

v.Posadowsky: Ja, unser Vorstandsvorsitzender, Dr. Bernotat, hatte für das vergangene Jahr die Schirmherrschaft übernommen.

RONDO: … was sicher mit einer kräftezehrenden Menge an Reden verbunden war – und fördermäßig durfte die E.ON vermutlich auch nicht knausern?

v.Posadowsky und Bruendel: Von uns werden Sie in Zusammenhang mit Fördermitteln keine Zahlen hören.

Bruendel: Das wäre auch nicht unbedingt aussagekräftig, denn es kann sein, dass eine kleine Fördersumme tolle Projekte ermöglicht und umgekehrt – wobei letzteres glücklicherweise ausgesprochen selten vorkommt.

RONDO: Überprüfen Sie eigentlich den Effekt Ihrer Sponsoringaktivitäten?

v.Posadowsky: Nicht direkt mit Mitteln der Marktforschung, denn gerade in der Musikförderung sind ja die Grenzen zum Mäzenatentum auch fließend. Da kann man nicht von jedem Engagement einen vollen wirtschaftlichen Gegenwert erwarten. Gleichzeitig wird Ihnen aber hier in Düsseldorf auch jeder sagen, dass ohne E.ONs Engagement die kulturelle Vielfalt am Ort deutlich geringer wäre. Und das schlägt sich natürlich auch in Sympathiewerten nieder. Da brauchen wir keine Umfrage.

RONDO: Wie viele Bitten um Förderung laufen eigentlich bei Ihnen so ein am Tag?

v.Posadowsky: Bestimmt 10 bis 15 am Tag. Aber da sind dann natürlich auch viele Veranstaltungen dabei, die, wenn überhaupt, dann höchstens für eine der lokalen Gesellschaften geeignet sind.

Bruendel: Es ist leider häufig so, dass Antragsteller sich zu wenig darum kümmern, ob ihr Projekt zum Förderkonzept desjenigen passt, an den sie sich mit der Bitte um Unterstützung wenden. Da ist es manchmal schade, wenn eine an sich gute Idee aus diesem Grund abgelehnt werden muss.

RONDO: Zum Schluss die obligatorische Frage: Wo hat es Ihnen beiden persönlich in letzter Zeit besonders gut gefallen?

v.Posadowsky: Es sind so viele schöne Erlebnisse. Besonders gefallen hat mir die Oper »Luisa Miller« von Giuseppe Verdi, die ich Ende Juli in der Münchener Oper gesehen habe. Dieses Frühwerk von Verdi ist an Friedrich Schillers »Kabale und Liebe« angelehnt, und selbstverständlich geht es um eine verbotene Liebe, um Erpressung und Intrigen bis hin zu einem dramatischen Doppelmord. Das Münchener Ensemble unter der Leitung von Massimo Zanetti hat es packend umgesetzt. Das hat mir sehr gut gefallen. Ohne dem Rheinland in den Rücken fallen zu wollen, muss ich zudem gestehen, dass ich die Münchener Oper prachtvoll finde!

Bruendel: Mich hat insbesondere der Auftritt des venezolanischen Jugendorchesters unter Gustavo Dudamel in der Essener Philharmonie beeindruckt. Das war ein wahrhaft musikalisch-theatralisches Erlebnis. Aber auch »eigene« Musikveranstaltungen haben mir sehr gut gefallen, so zum Beispiel das bereits erwähnte Konzert des Nordic Symphony Orchestra in der Berliner Philharmonie. Mit Erkki-Sven Tüür, dem zeitgenössischen estnischen Komponisten, und Tschaikowski vereinte das Programm Balten und Russen in der Sprache der Musik. Das Publikum war begeistert.

Rondo Autor, RONDO Ausgabe 1 / 2008



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