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Mit Esa-Pekka Salonens App wird das Orchester auf dem Tablet "begreifbar" (c) apple.com

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Finnischer Technik-Freak

„Ich bin ein Komponist, der mit Nervenenden komponiert und nicht nur mit dem Bleistift.“ Mit diesen Worten hat Wolfgang Rihm einmal seinen kreativen Modus operandi beschrieben. Kollege Esa-Pekka Salonen würde es wohl ähnlich formulieren. Nur dass er wohl Fingerspitzen statt Nervenenden sagen würde. Denn für den finnischen Stardirigenten und eben auch renommierten Komponisten ist mittlerweile der Touchscreen seines Mobiltelefons bzw. Tablets zur wichtigen Arbeitsstütze geworden. Fällt Salonen ein Motiv beim Taxifahren und auf dem Spazierweg ein, zückt er seinen elektronischen Partner und probiert dank der „Pianist Pro“-App auf einer virtuellen Klaviertastatur die Idee aus. Danach ist die „Notion“-App dran, mit der er an den Akkorden und Rhythmen schon mal etwas genauer feilen kann. Und sobald die Konzertsaison vorbei ist und Salonen für rund drei Monate Muße hat, ruft er all die angesammelten Kompositionsskizzen ab und arbeitet sie dann klassisch auch am heimischen Flügel aus.
Wer sich so offen und begeistert von den neuen Technologien zeigt wie Salonen, der versucht aber auch, darüber Vorurteile über die Klassik abzubauen und ein neues Klassik-Publikum zu generieren. „Es gibt immer noch den Glauben, dass Klassik für ältere Menschen und im Grunde hoffnungslos langweilig ist. Aber nichts davon ist wahr“, so Salonen, der aktuell Chefdirigent des Londoner Philharmonia Orchestras ist.
In Zusammenarbeit mit seinen Musikern hat der iPad-Fan nun die App „The Orchestra“ entwickelt, um so die klassische Musik gerade für eine neue Hörergeneration schmackhaft zu machen. Und das Angebot dürfte selbst alte Klassik-Hasen begeistern. Denn nicht nur bekommt man in voller Länge acht Meisterwerke und die dazugehörigen Partituren geboten, angefangen von Beethovens 5. über Berlioz´ „Symphonie Fantastique“ und Strawinskys „Feuervogel“ bis hin zu Salonens Violinkonzert. Man kann sich während der Aufführungen sogar durch die Orchesterstimmen durchklicken und lernt damit das Gefüge eines solchen riesigen Klangapparats genauer kennen. Zudem erläutern die Musiker äußerst informativ und vor allem im Plauderton die Eigenheiten, Macken und Stärken ihrer Instrumente. „Es würde mich freuen, wenn jemand durch ‚The Orchestra‘ zur klassischen Musik finden würde“, meint Salonen. Der erste Schritt dafür ist ganz einfach: Ein Klick auf die Seite „www.philharmonia.co.uk/app“.

Guido Fischer



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