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Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Thomas Hampsons Freundin Andrea Herberstein (55) ist in Österreich zu einer Haftstrafe von 15 Monaten verurteilt worden. Zehn davon wurden zur Bewährung ausgesetzt, den Rest muss sie möglicherweise verbüßen. Gemeinsam mit dem Gutsverwalter eines von ihr betriebenen Tierparks musste sie sich wegen schweren Betrugs und Abgabenhinterziehung verantworten. Der Prozess hat in Österreich monatelang für Aufsehen gesorgt. »Die größte Strafe als Frau und Mutter habe ich schon bekommen, weil ich meinen Sohn auf der Anklagebank sehen muss«, erklärte Andrea Herberstein während ihres Schlussworts unter Tränen. Die Staatsanwaltschaft hat gegen das Urteil Berufung eingelegt. Auch gegen ihren Lebenspartner Thomas Hampson wird inzwischen wieder ermittelt. Bei ihm geht es um mögliche Steuervergehen und seine Funktion als Beiratsmitglied im Herberstein- Unternehmen. Sämtliche Auftritte Hampsons in Österreich wurden unterdessen von dem Künstler bis auf Weiteres storniert. Hampsons Salzburger Anwalt erklärte, sein Mandant habe »die Schnauze voll von Österreich«.
Auf einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde kann sich der Soloklarinettist des New York Philharmonic Orchestra, Stanley Drucker (79), freuen. Er gehört dem Orchester demnächst 60 Jahre an und gilt damit als dienstältester Orchestersolist der Welt. Sein erster Chef hieß 1947 Bruno Walter. Inzwischen hat er neun Chefdirigenten der New Yorker Philharmoniker »überlebt«, darunter so disparate Persönlichkeiten wie Leopold Stokowski, Pierre Boulez, George Szell und Leonard Bernstein.
Zum 90-jährigen Bestehen seiner Berliner Konzertdirektion hat Witiko Adler (80) über Unarten seiner zahlreichen Künstler geplaudert. Gegenüber der »Welt« beklagte er, Anne-Sophie Mutter müsse immer »über alles genau Kontrolle haben« (und »blockiere« sich damit selbst). Nach Gastspielen von Nigel Kennedy sei es oft notwendig zu renovieren, weil sich die Tapeten von den Wänden rollen (Kennedy verlangt wegen seiner Stradivari eine Luftfeuchtigkeit von über 70 Prozent). Nicht alle Künstler seien früher einfacher gewesen. Yehudi Menuhin »konnte man irgendwohin legen, und es war gut«. Leonard Bernstein indes habe schon vor dem Konzert Drogen und Alkohol konsumiert. Pianist Shura Cherkassky verlangte vor jedem Konzert drei Extra-Toilettenrollen in seiner Garderobe (»Wir haben niemals herausbekommen wofür«). Mit dem Versuch, die schon damals schwergewichtige Jessye Norman zum Abnehmen zu bewegen, sei er gescheitert: »Sie saß hier auf dem Sofa und sagte: ›Nein, dabei würde es mir nicht gut gehen. Ich esse weiter.‹« Belcanto-Legende Joan Sutherland (82) ist beim Blumenpflücken in ihrem Garten in Montreux gestürzt und hat sich beide Beine gebrochen. Die Sängerin musste vorübergehend hospitalisiert werden. Inzwischen hat sich ihr Zustand stabilisiert.
Der für eine eruptive Bühnenperformance bekannte Pianist Olli Mustonen fragt sich, warum alle ihn für einen Exzentriker halten. Alles Musizieren sei für ihn »Gottesdienst«. Er sei »allergisch gegen alle Versuche, großspurige persönliche Statements von sich zu geben.« Am Eindruck von Außergewöhnlichkeit oder gar Exzentrik liege ihm nichts. Wenn man aus Finnland stamme, so Mustonen, sei der Bezug zur Natur größer als derjenige zu menschlichen Verhaltensweisen. »Wir leben an Seen«, sagte er bei einem Interview. »Alles ist größer als wir selbst. Wir musizieren nicht für die Menschen, sondern für die Fische.«
Der gewissenhafte Juan Diego Flórez hat sich mit dem »Rigoletto«-Herzog, den er in Dresden in der Inszenierung von Nikolaus Lehnhoff gesungen hat, möglicherweise übernommen. Bis auf Weiteres hat er alle Engagements in dieser (Grenz-)Partie gecancelt – darunter ein Gastspiel in Madrid.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 4 / 2008



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