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RONDO-Gespräche zum Musiksponsoring (4): Credit Suisse

Global Players

In der Leitung der New Yorker Philharmoniker wird es demnächst einen Wechsel geben, der Sponsor aber bleibt dem Orchester erhalten: Credit-Suisse-Mann Karl-Heinz Muhr erläuterte RONDO am Rande des Festivals von Vail, warum für sein Haus die New Yorker die erste Wahl waren und wie die Schweizer in deren Vorstand ihren Einfluss geltend machen.

RONDO: Herr Muhr, warum haben Sie sich für Ihr Global Sponsoring das New York Philharmonic Orchestra ausgesucht – und nicht etwas Anderes?

Muhr: Wir engagieren uns schon seit Jahrzehnten in zahlreichen, unterschiedlichen Bereichen, von Sport bis Kunst. Ausschlaggebend für uns ist die internationale Ausstrahlung. Es muss aber auch etwas sein, das für unsere Kunden und Mitarbeiter direkt von Interesse ist. Dann sollte es auch als Beitrag für die Gesellschaft von Bedeutung sein. Und schließlich ist für uns wichtig, es bei den Künstlern mit dem jeweils höchsten Level zu tun zu haben.

RONDO: Gerade das trifft aber auch auf andere Orchester zu.

Muhr: Im New York Philharmonic Orchestra haben wir eigentlich drei Kriterien erfüllt gesehen, die für uns ausschlaggebend sind: die lange Tradition, ein innovativer Umgang mit der eigenen Geschichte und die globale Ausstrahlung. Das ist nicht bei allen Orchestern gleichermaßen selbstverständlich. Auch das Chicago Symphony Orchestra beispielsweise ist weltweit anerkannt. Aber es reist nicht so weit herum. Die New Yorker dagegen haben das schon unter Toscanini getan. Es gehört bei ihnen zur DNA.

RONDO: Welche Rolle spielt der Stardirigent Lorin Maazel, der bald durch den weit unbekannteren Alan Gilbert ersetzt wird?

Muhr: Ich glaube, dieser Wechsel wird auf unser Engagement keinen Einfluss haben. Da dieses Orchester keine Sommerresidenz hat – wie das Boston Symphony Orchestra in Tanglewood oder die Wiener Philharmoniker in Salzburg –, wird sich die Reiselust kaum verringern. Ich freue mich auf die Arbeit von Alan Gilbert.

RONDO: Erschließt Ihnen ein Orchester eine andere Zielgruppe als im Sport oder in der bildenden Kunst?

Muhr: Nein, in allen diesen Bereichen treffen wir gleichermaßen auf unsere Kunden. Aber es spielt hier auch das Signal eine Rolle, das wir setzen wollen. Ohne die private Unterstützung von Sponsoren würde es vieles in der Kultur doch gar nicht mehr geben. Unsere Klienten selbst fungieren vielfach als Sponsoren. Wir tun es ihnen nur gleich, und befinden uns damit in einer amerikanischen Wohltätigkeitstradition, die hier sehr stark ausgeprägt ist. Klassische Musik, etwa bei der New Yorker Sommerreihe »Classics in the Parks«, würde ohne Sponsoring gar nicht mehr zu breiteren Hörerschichten vordringen.

RONDO: Wie viele Leute sind in Entscheidungsprozesse beim Sponsoring innerhalb Ihres Hauses involviert?

Muhr: Vielleicht ein Dutzend. Die Entscheidung hat einige Jahre gebraucht. Das geschieht nicht ruckartig und auch nicht autokratisch.

RONDO: Gehören Sie einem Gremium des Orchesters persönlich an?

Muhr: Ja, wir gehören dem Board des Orchesters an. Das ist tatsächlich etwas sehr Ungewöhnliches. Wir sind daher in die Entscheidungsprozesse eingebunden. An einer Einflussnahme auf das Programm haben wir indes kein Interesse.

RONDO: Hätten Sie denn die Kompetenz, in musikalischen Fragen mitzusprechen?

Muhr: Ich komme aus Österreich und habe vier Semester am Konservatorium in Graz studiert. Dennoch vertraue ich in künstlerischen Fragen der Kompetenz von Board-Mitgliedern, die sich besser auskennen als ich.

RONDO: Wie wird sich die Sponsoringszene ändern?

Muhr: Rezessionen wie zurzeit in Amerika können immer unmittelbar auf das Sponsoring durchschlagen. Ich glaube dennoch, eine Kultur des privaten Sponsorings wird immer wichtiger werden, weil die Regierungen ihre Unterstützung kürzen. Da möchten wir mit dabei sein. Ich glaube, dass die Großzügigkeit amerikanischer Sponsoren weltweit vorbildlich ist. Sponsoring ist eine Art Statussymbol wohlhabender Amerikaner. Davon kann – und sollte – Europa etwas lernen.

RONDO: Glauben Sie nicht, dass Sponsoring eine Kürzungsmentalität staatlicher Stellen auch ermuntern könnte?

Muhr: Die öffentlichen Budgets schmelzen. Dass wir diesen Prozess nicht befördern wollen, versteht sich doch wohl von selbst.

RONDO: Meinen Sie, dass etwa die hoch entwickelte Theaterlandschaft in Deutschland auch ohne Subventionen denkbar wäre?

Muhr: Wenn nicht, kann man nur hoffen, dass die staatliche Unterstützung bestehen bleibt. Das ist aber vor allem eine Frage der demokratischen Entwicklung, also der Wahlen.

RONDO: Gibt es Goldene Regeln oder Kriterien für das Sponsoring?

Muhr: Ja, für uns sind dies Exzellenz, Globalität und auch Integrität. Man könnte folgendes Bild zeichnen: Wenn das, was wir fördern, wichtig für unsere Kunden ist, und ebenso wichtig für unsere Teilhaber und Mitarbeiter – dann ist es auch wichtig für uns. Wir sollten es also fördern.

Rondo Redaktion, RONDO Ausgabe 4 / 2008



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