Responsive image

Status Quo Vadis

Jiří Stivín, Michal Pavlíček, Vojtěch Havel, Klaudius Kryšpín, Iva Bittová

Supraphon
(41 Min., 0000-00-00) 1 CD

Zu den besten Musikern der Welt zählt Jiří Stivín aus Prag, außerhalb seines Heimatlandes ist er allerdings kaum bekannt. Müßte ich mich unter seinen zahlreichen tollen Platten für eine entscheiden, wäre das "Status Quo Vadis" aus dem Jahre 1986. Keine für ihn typische Platte, schon wegen der vielen kreativen Partner in seiner Laufbahn kann es eine letztendlich repräsentative Platte gar nicht geben. Zudem fällt aus dem Rahmen, dass auch das längste der zehn Stücke unter sechs Minuten bleibt.
Auf "Status Quo Vadis" reicht die Vielfalt von der Bearbeitung zweier Bach-Kanons bis zu sonst selten von ihm verwendeten Elektronikeffekten, soundprägend bleibt natürlich Stivi´ns virtuose Beherrschung aller möglichen Holzblasinstrumente. Zu den Begleitern zählen hier Iva Bittová und Vojtech Havel, Tschechiens bester Cellist. Ein ganz persönlicher Aspekt entsteht durch einen kurzen Plapper-Gesang von Stivíns vier Kindern, von denen drei inzwischen ebenfalls als Musiker arbeiten.
Was "Status Quo Vadis" unter anderem heraushebt, ist die Symbolkraft des zweiten Titels "An Alchemist´s Trip". Jiří verkörpert für mich tatsächlich einen experimentierfreudigen Alchimisten, der immer wieder neue Edelsteine erfindet. Ich höre, wie er mit seiner wohl schon bewurzelten Mütze (wegen seiner Glatze) durch Tschechiens Hauptstadt schlendert. Auch andere Stücke von "Status Quo Vadis" assoziieren sowohl von ihrer Bezeichnung als auch von ihrer Musik her diese Stadt, wo Karl IV. bis weit in das heutige Deutschland hinein regierte (Havelberg, Tangermünde) und Rudolf II. sich mit den besten Astronomen seiner Zeit umgab (Brahe, Kepler).
Gern möchte ich den sympathischen Klangmagier live erleben! Überhaupt bin ich auf der Suche nach schrägen Sounds und mag es, wenn sich der Jazz Anregungen aus anderen Musikstilen holt.

Frieder Monzer, Berlin


Diese CD können Sie kaufen bei:





CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Im Freien: Wenn man bedenkt, wie lange Johannes Brahms an den Skizzen zu seiner ersten Sinfonie herumgekaut hatte, überrascht die Geschwindigkeit, mit der er seine Zweite zu Papier brachte. Beflügelt wurde er bei der Arbeit durch den Sommeraufenthalt im Kärntnerischen Pörtschach am Wörthersee und den langen Spaziergängen in der Gegend. „Der Wörthersee ist ein jungfräulicher Boden, da fliegen die Melodien, dass man sich hüten muss, keine zu treten“, wie er in einem Brief an Eduard […] mehr »


Top