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Wolfgang Amadeus Mozart

Sonaten für 2 Klaviere und zu 4 Händen

Hans-Peter Stenzl, Volker Stenzl

Ars Musici/Note 1 AM 1386-2
(55 Min., 8/2004, 9/2004) 1 CD

Ein hübsches Foto: Zwei Männer auf einem menschenleeren, von Bäumen gesäumten Parkplatz, in der Mitte ihres Lebens und in der Mitte eines gemeinsamen Luftsprunges. Geschätzte Sprunghöhe: zwischen 30 und 50 Zentimeter. Beide lachen. Könnte sein, dass sie gerade eine Aufnahme beendet haben. Vielleicht mit Werken von Mozart. Sie hätten Grund zur Freude. Denn die Aufnahme ist gut. Nein: Sie ist sehr gut. Es macht Spaß, sie anzuhören, auch mehrere Male hintereinander. Ein frischer Wind weht durch diese Mozart-Lesart. Aber sie weiß sehr wohl um die tiefer liegenden Schichten, diese Deutung. Eine gebrochene Heiterkeit wohnt ihr inne, die wankt zwischen orchestraler Potenz und plötzlicher Verinnerlichung, zwischen breitbrüstiger Geste und schmallippigem Zaudern. Kurz und gut: Mozart, wie er ist. Oder besser gesagt: Wie wir glauben, dass er sein sollte. Sein könnte. Wie wir ihn uns wünschen, den Genius. So wie eine Figur aus seinen Opern nämlich.
Zu den Fakten: Hans-Peter und Volker Stenzl sind, das ist keine Novität, ein gutes, ein sehr gutes Klavierduo. Sie haben dies in der Vergangenheit mehrfach unter Beweis gestellt. Ihr Spiel ist durchdrungen von Gescheitheit und profunder Anschlagskultur, von dem Gespür für Überraschungen. Es ist in sich logisch, pointiert, voller Esprit, und es ist, nicht eben unwichtig für ein Duo, von einer enormen Dialogfähigkeit. Da wissen zwei Musiker, wie sie sich unterhalten müssen, damit der Zuhörer bei dieser Unterhaltung nicht weghört. So zum Beispiel in der innerlich wie äußerlich sehr bewegten Sonate für zwei Klaviere in D-Dur, Köchelverzeichnis 448. Die Gebrüder Stenzl stürmen zur Tür hinein wie zwei frisch verliebte Pennäler, in Analogie zu Mozart, der dieses Opus zu Beginn seiner mit erheblicher Hoffnung gepaarten Wiener Zeit zu Papier brachte. Da ist jugendlicher Glanz in den Stimmen, in den Melodien, da wird ein Wunsch frisch von der Leber weg formuliert: So klingt die Musik, so klingt ihre Interpretation durch die Stenzls. Ein wenig überraschend daran ist die Tatsache, dass die beiden Pianisten solche Energetik auf zwei Konzertflügeln der Firma Roenisch aus den (vermuteten) Baujahren 1862/72 erzielen. So viel Kraft, so viel Glanz hätte man diesen klingenden Altbauten gar nicht zugetraut. Auch in den beiden anderen auf der Aufnahme versammelten Stücken, der melancholischen "Fantasie" in f-Moll KV 608 und der F-Dur-Sonate KV 497 für Klavier zu vier Händen, finden die Künstler zu einem anregenden Zwiegespräch. Dies klingt allerdings intimer, zarter, kammermusikalischer. Aber das ist nun wieder kein Zufall. Denn hier sitzen sie eng beieinander, an einem Flügel. Davon gibt es betrüblicher Weise kein Foto im Booklet. Aber wir sind sicher. Es wäre ein hübsches Bild.

Tom Persich, 16.07.2005



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