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Johann Sebastian Bach

The Bach Album (Violinsonate Nr. 2 BWV 1003, Cellosuite Nr. 4 BWV 1010, Flötenpartita BWV 1013, Ciaccona aus BWV 1004)

Fahmi Alqhai

Glossa/Note 1 GCDP33205
(75 Min., 3 & 4/2016)

Natürlich darf man das! Schon immer haben Musiker vorhandene Kompositionen für ihre Instrumente transkribiert und dies erst recht im Barock. Einer Rechtfertigung in Bezug auf die Bearbeitungspraxis bedarf es nicht, wenn der Gambist Fahmi Alqhai sich einer Auswahl Bach‘scher Solowerke für Violine, Cello und Flöte annimmt. Sehr wohl steht aber die Frage im Raum, ob seine Einspielung angesichts der überbordenden Fülle an Aufnahmen dieser Werke einen interpretatorischen Mehrwert besitzt. Und da fällt die Antwort zwiespältig aus. Tatsächlich gibt es gerade in der Solosonate für Violine und mehr noch in der monumentalen Ciaccona aus der zweiten Violinpartita Momente, wo der tiefere, sonore, resonanzreichere und in Alqhais Interpretation fast orchestrale Klang der Gambe sich wohltuend von dem abstrakteren, spitzeren, asketischeren Klang des Originals abhebt. Alqhai enthüllt in diesen Momenten gleichsam eine Idee, welche erfahrene Musiker beim Hören von Bachs Solowerken für Violine mitdenken. An vielen anderen Stellen ist Alqhais Interpretation jedoch nicht so wirkungsvoll, wie sie es sein könnte. Besonders in der Cellosuite erscheinen viele interpretatorische Entscheidungen fragwürdig: So betont Alqhai im Preludio viel zu stark die Spitzentöne, statt den harmonischen Gang vom Bass aus zu denken. Desweiteren versucht er, den Satz durch Rubati zu beleben, die letztlich aber doch nicht darüber hinwegtäuschen können, dass es seinen Phrasierungen oft an Stringenz mangelt. Letztlich drängt sich so der Gedanke auf, dass Alqhai bei einem spielerischer und koloristischer denkenden Musiker als Bach mit seinem Experiment noch besser aufgehoben gewesen wäre.

Carsten Niemann, 25.03.2017



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