Sony Classical 88985305392
(107 Min., 1/2014) 2 CDs
Muzio Clementi – da klingelt es bei den Klavierschülern in den Ohren. Mit den Sonatinen dieses Italieners hat man schließlich die zweiten Schritte auf dem Klavier gemacht. Ansonsten ist der gebürtige Römer als glänzender Pianist und Wettkampfpartner von Mozart in die Musikgeschichte eingegangen. Dass er auch so manche Sinfonien komponiert, ist kaum bekannt. Und überhaupt liegen ihre Entstehungsumstände völlig im Dunkeln. Dementsprechend kann man über den Zeitraum nur spekulieren, in dem Clementi irgendwann wohl zu Beginn des 19. Jahrhunderts die vier Sinfonien WoO 32 - 35 geschrieben hat, mit denen Ivor Bolton und das Mozarteumorchester Salzburg mehr als nur eine Repertoire-Entdeckung gelungen ist. Die viersätzigen Sinfonien besitzen nämlich alles, was sie mühelos von belangloser Massenware abhebt. Nichts ist voraussehbar. Vielmehr zieht Clementi ständig auch harmonisch neue Register, um zu überraschen. Dass das dabei von der volltönigen Attacke über kontrapunktisches Gewebe bis hin zu volksliedhaften Reizen so gar nicht kalkuliert wirkt, spricht für Clementi – sowie eben nun auch für das Orchester, das kraftvoll zupackt, schnittig um die Ecke biegt, mit kantablem Schimmer an Mozart und dann verschmitzt an Haydn erinnert. Wenn man bedenkt, wie lange es gebraucht hat, bis gerade der Sinfoniker Haydn für voll genommen wurde, darf man prognostizieren, dass auch der Sinfoniker Clementi irgendwann etabliert sein wird. Den ersten Schritt dafür haben Bolton & Co. getan.
Guido Fischer, 04.03.2017
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