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Godspeed

Morten Schantz

Edition Records/Membran Media EDN1081
(59 Min., 6 & 9/2015)

Drei Mann sind genug. Der Keyboarder Morten Schantz, der Saxofonist Marius Neset und der Drummer Anton Eger spielen wie ein aktuelles Update von Joe Zawinuls bahnbrechender Fusionband Weather Report. Dies mag zum Teil daran liegen, dass Schantz mit Keyboards aus den Häusern Fender, Moog, Roland und einem Sequential Prophet 6 über eine ähnlich vielfältige Pracht an elektronischen Sounds wie Zawinul verfügt. Doch Geräte allein machen noch keine Musik. Das übernimmt dieses Trio getreu der angeblich von Miles Davis stammenden Weisheit „good music is high and low and fast and slow“. Die drei drehen und wenden ihr Ausgangsmaterial nach dieser Devise, setzen dunkle gegen helle Tönungen, süffige Melodien gegen kantige Rhythmen, kurze Keyboardphrasen gegen einen durchlaufenden Beat, wobei Neset oft seine Saxofone beiseitelegt und am Keyboard Basslinien einflicht. Ansonsten bläst der Norweger sein Sopransaxofon so ausdrucksreich wie einst Wayne Shorter bei Weather Report (und später), während er auf dem Tenorsaxofon auch Free- und Noise-Elemente einbezieht und weniger deutlich einem Vorbild zuzuordnen ist. Anton Eger steuert ein rhythmisches Feuerwerk zwischen Rockjazz und HipHop bei, und der Bandleader Morten Schantz vereint solistische Melodien- und Rhythmenpracht mit raumfüllenden Sounds. Von ihm stammen alle zwölf Titel dieser extrovertierten, von Spielwitz und Energie strotzenden Studioproduktion. Bei diesen drei ist Joe Zawinuls musikalisches Erbe bestens aufgehoben, denn sie gehen damit so um, wie der Wiener Keyboarder seine Musik stets aufgefasst hat: Es darf keinen Stillstand geben. Es müssen neue Rhythmen, neue Instrumente, neue Wendungen, neue Sounds ausprobiert werden. Deshalb sind sie bei allen Ähnlichkeiten doch sehr weit vom Plagiat gegenüber Weather Report oder Zawinuls späterer Band, dem „Zawinul Syndicate“, entfernt. Andererseits hätte Zawinul seine Musik wahrscheinlich ziemlich genau in die Richtung weiter entwickelt, die dieses Trio um Morten Schantz eingeschlagen hat.

Werner Stiefele, 04.02.2017



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