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Up and Coming

John Abercrombie

ECM/Universal 5723377
(47 Min., 4 & 5/2016)

Der Gitarrist John Abercrombie ist dem Münchner Edel-Label ECM nahezu seit den Gründerjahren verbunden, und seine musikalische Freundschaft mit dem Pianisten Marc Copland, einem der führenden Vertreter der Neuen Innerlichkeit, reicht noch in die Zeit zurück, da beide zu Beginn ihrer Karrieren in der Combo von Chico Hamilton spielten. Copland betätigte sich damals noch hauptsächlich als Altsaxofonist. Jetzt haben sie in klassischer Quartett-Besetzung ein Album eingespielt, und es ist nicht die erste Frucht dieser außergewöhnlichen Kooperationsbereitschaft: Gitarre und Klavier sind im Jazz ja als Instrumente nicht unbedingt Wahlverwandte; die Gefahr ist groß, dass sich beide durch akkordisches Spiel in gegenseitige Bedrängnis bringen. Bei den wahlverwandten Seelen dieser beider Lyriker drohen derartige Fallstricke kaum. Die Zeiten, da Abercrombie den tongewaltigen Gitarrero gab, sind längst vorbei. Heutzutage konzentriert er sich auf melodische und durchaus auch melancholische Linien, deren sanfte Klarheit er durch einen weitgehenden Verzicht auf ein Plektrum zugunsten eines Daumenanschlags noch unterstreicht. Mit warm tönendem Kontrabass hilft Drew Gress die komplementäre Linienführung von Abercrombie und Copland noch weiter zu verdichten und trägt dazu bei, eine gewisse Offenheit der Form zu wahren, die Joey Barons am atmenden Puls orientiertes, subtilen Klang kultivierendes Schlagzeug ganz wesentlich befördert. Beim ersten Hören mag das zunächst enttäuschend einfach klingen, erweist sich dann aber in der Entfaltung des musikalischen Materials als hohe Kunst des Warten-Könnens und faszinierender Reduktion; subtiler Swing entfaltet eine nahezu muskulöse Sogwirkung.

Thomas Fitterling, 04.02.2017



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