Responsive image

Duke’s Dream

Enrico Pieranunzi, Rosario Giuliani

Intuition/in-akustik 05711689
(51 Min., 3/2016)

Der Doyen des italienischen Jazz, der Pianist Enrico Pieranunzi, und einer der vitalsten Improvisatoren des südlichen Sehnsuchtslandes, der um 18 Jahre jüngere Altsaxofonist Rosario Giuliani, haben im Duo eine Hommage an Duke Ellington eingespielt und sorgen mit einer äußerst farbigen und aktzentuierten Musik für eine nicht unerhebliche Überraschung. Der 67-jährige Pieranunzi gilt vielen als der Bill Evans des europäischen Südens, gibt es doch zahlreiche Aufnahmen von ihm, die tief vom introvertierten Impressionismus des amerikanischen Pianostars geprägt sind. Hier folgt er den Spuren einer durchaus kräftig zupackenden Klaviertradition, in der die linke Hand lustvoll Basslinien andeutet und die sich der gesamten Klaviatur zu farbigen Akkordballungen bedient.
Pieranunzi wäre aber nicht der geschmackssichere Maestro, wenn er sich dieser Ellingtonia-Elemente als vordergründige Klischees bedienen würde, er weiß vielmehr den tonpoetischen Gestus in einen dialogischen Gesamtdiskurs zu integrieren, der mit Begeisterung von der Welt Ellingtons erzählt. Die bekannteren Storys, wie die von der Satin Doll, leben in deftigen Andeutungen auf, weniger bekannte Episoden werden mit Hilfe liebevoller Paraphrasierung vermittelt. Sieben Ellington Originals werden durch drei eigene Reflexionen des Duos ergänzt. Rosario Giuliani, dessen Spiel von Charlie Parker und vor allem Cannonbal Adderley beeinflusst ist, befeuert unermüdlich – fast mit Ungeduld – den sich an seinem Gegenstand immer neu begeisternden gemeinsamen Vortrag. Einmal greift er dabei zum Sopraninstrument, und auf zwei Titeln bringt Pieranunzi ein E-Piano ins Spiel; er sorgt so für kräftigen Blues-Bass, aber auch für delikate Schwebeklänge. Die Traumdeutung auf diesem Album jedenfalls bleibt stets wohl geerdet.

Thomas Fitterling, 28.01.2017



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Nordlicht: Aus dem damals dänischen Holstein stammend, wird Dieterich Buxtehude im Frühling 1668 der neue Kirchenmusiker an St. Marien in Lübeck. Mit der Übernahme von Amt (und Heirat der Tochter) von Franz Tunder führt er auch dessen „Abendmusiken“, festliche und groß besetzte Adventskonzerte, fort. Diese sind so erfolgreich, dass Buxtehude bald der strahlendste Vertreter der Norddeutschen Orgelschule ist, den zu besuchen sich Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Johann […] mehr »


Top