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Andreas Lammel, Florian Lauer, René Bornstein

Traumton/Indigo 132472
(63 Min., 4/2016)

Es ist nicht so, dass sich bei diesem Trio keiner trauen würde, selbstbewusst musikalisch einen ersten Schritt zu tun, auch wenn dieTrio-Benennung derlei Schüchternheit suggeriert. Der erste Name steht für den Pianisten Andreas Lammel, der zweite für den Schlagzeuger Florian Lauer und der dritte für den Kontrabassisten René Bornstein. Die drei sind Anfang dreißig und haben sich zu Beginn ihres Studiums in Dresden kennengelernt – und beschlossen fortan ein Trio zu bilden. Sie sind also Nachgeborene von [em] und Michael Wollny und wie diese prototypischen Formationen des europäischen Pianotriojazz der Neuen Innerlichkeit verpflichtet. Gestaltungswille, reaktives Zuhören und eine Vorliebe für satte harmonische Wendungen charakterisieren die Musik der drei Freunde. Bei aller Liebe zur gepflegten Klangkultur scheint da schon auch mal die Möglichkeit unerwarteter Energieschübe auf. Alle drei haben sie Beiträge zu dem Programm aus 15 Originals geschrieben, wobei Lammels Trilogie I-III als Variationsdreiteiler das Gesamtprogramm durchzieht und auf einen klar konzipierten Gesamtablauf verweist. Souverän integrierte Arco-Einsätze des Bassisten und Lauers subtiler Umgang mit den Schlagzeugbesen überzeugen dabei ebenso wie die differenzierte Anschlagsgestaltung von Andreas Lammel. Das mag manchmal etwas bemüht ausdrucksstark und filigran klingen, doch welch konzentriert aufspielendes Klaviertrio kann schon locker von sich sagen, dass es der Vorstellung durchaus etwas abzugewinnen vermöge, dass man seine Musik auch nebenbei hören könne. Doch Leichtigkeit hat hier nichts Unerträgliches, ist vielmehr von einer charmanten Dramaturgie des Scheins. Die Ernsthaftigkeit dahinter steht außer Frage, und gravitätische Pose ist augenzwinkernde Schalkhaftigkeit.

Thomas Fitterling, 24.12.2016



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