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N° 1237
22. - 28.01.2022

nächste Aktualisierung
am 29.01.2022



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Live In Berlin

Gregory Porter

Conversion/Universal 0412637
(124 Min., 5/2016)

Selten hat im Jazz jemand eine derart steile Karriere hingelegt wie der schwarze Sänger mit der Ballonmütze und dem Schlauchschal. 2010 erschien sein Debüt-Album und seither beherrscht der Bariton die Szene. Da war er bereits 39 und hatte als Sänger am Broadway seine Lehrjahre abgeleistet. Nun ist das Feld mit überzeugenden Jazzsängern wahrlich nicht reichlich besetzt. Porter aber hat es, das gewisse Etwas aus Jazz und Blues- und Gospelfeeling. Er ist ein begnadeter Songwriter und erzählt berührende Geschichten, die in jeder Phrase authentisch wirken. Der Fokus ist auf Text und Melodie gerichtet, nichts wirkt vordergründig vokalartistisch. Scatten hat er nicht nötig, um sich als Jazzer zu beweisen. Seine Improvisationskunst erweist sich in den textdienlichen Phrasierungsvarianten. Lupenreine Artikulation und Intonation sind selbstverständlich, ebenso der immanente Swing in jeder Note. Dabei ist er kein divenhafter Star, der auf glamouröse Beleuchtungseffekte baut. Mit seinem Begleitquartett musiziert er im Teamgeist. Seit Jahren ist das eine eingeschworene Band unter der musikalischen Leitung von Chip Crawford am Klavier, der höchst sensibel begleitet, in seinen Soli aber zu kühnen beidhändigen Akkordschichtungen fähig ist. Tenorsaxofonist Tivon Pennicott ist ein vitaler Melodiker – solistisch wie in seinen kontrapunktischen Begleitlinien. Jahmal Nichols am Kontrabass – und in der funkigen Zugabe auch am E-Instrument – ist ein Fels an rhythmischer Solidität, und Schlagzeuger Emanuel Harrold unterstützt die simpel wirkenden, doch äußerst effektvollen Arrangements pfiffig und stets punktgenau. All das ist bei diesem sensibel gefilmten Auftritt in der ausverkauften Berliner Philharmonie nachzuvollziehen, ebenso wie Porters locker sympathische Art, mit dem Publikum zu kommunizieren. Das Programm von „Live In Berlin“, das sowohl als 2CD-Album mit beiliegender DVD, als auch allein auf DVD oder Bluray im Handel ist, bietet mit einleitenden Worten Porters zu jedem seiner Songs einen Querschnitt seines Schaffens seit seinem Solodebüt und ist somit ein idealer Einstieg in Porters Sangeskunst.

Thomas Fitterling, 19.11.2016



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