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N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



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Self-Portrait In Twelve Colors

Metromara

Double Moon/in-akustik 05711585
(62 Min., 12/2015)

Was bitteschön soll denn der Bandname „Metromara“ heißen? Ganz einfach: „Metro“ steht für die Metropole Amsterdam, in der sich das Sextett beim Studium kennenlernte, „Mara“ für die in Bochum geborene Bandleaderin und Sängerin Mara Minjoli. Wenn man sich das Debüt des deutsch-luxemburgerisch-neuseeländischen Zusammenschlusses anhört, wird auch gleich klar, welche Rolle die niederländische Hauptstadt bei der Entwicklung des speziellen Stils des Ensembles spielte.
In Jazzdingen ist Holland nämlich bekannt dafür, seine Studenten fernab der Bebop-Orthodoxie auszubilden und für aktuelle Strömungen zu interessieren. Dafür stehen Gruppen wie die diesjährige Entdeckung Marutyri, das New Cool Collective oder Monsieur Dubois; dafür steht auch Metromara.
Ausgehend von einem Albumtitel, der an Charles Mingus' „Self-Portrait In Three Colors“ erinnert und gleichzeitig eine Erweiterung der Farbpalette verspricht, zeigen Minjoli und ihre Mitstreiter, dass sie die zeitgenössische schwarze Musik seit der Jahrtausendwende mit Freude studiert haben.
Heraus kommt dabei ein „Best of“ der vergangenen 20 Jahre: Minjoli klingt stellenweise wie eine zauberhafte Mischung aus Gretchen Parlato und Esperanza Spalding, die aber auch so weltentrückt seufzen und leiden kann wie Maria Joao. Ihre Rhythmusgruppe (Pol Belardi am enorm wendigen E-Bass, Pit Dahm am Schlagzeug) stellt unter Beweis, dass sie die reduzierten Grooves des Nu Soul à la Erykah Badu und D'Angelo komplett verinnerlicht hat.
Posaunist Oliver Emmitt und die beiden zwischen Rhodes, Klavier und Retro-Synthesizern wechselnden Tastenspieler Constantin Krahmer und Jerome Klein sorgen schließlich nicht nur für solistische Highlights, sondern auch für eine gewissermaßen orchestrale Note. Denn die Arrangements der von Minjoli bis auf eine Ausnahme geschriebenen und getexteten Songs sind keinesfalls Popband-Durchschnitt.
Mehrstimmige Backgroundchöre und vor allem die den Gesang der Frontfrau doppelnden oder unterlaufenden Posaunenlinien erzeugen eine flexible Basis, auf deren Grundlage erotisch Tanzbares („Night Rider“, „Fly“) sich mit bowie-beatlesken Kunstliedern („Heart Over Head“) und einem verstörenden Avantgarde-Hörspiel zum Thema Märchenprinz („Frog“) abwechselt. Am besten aber bringt der Titel des von Maya Angelou inspirierten „I'll Rise“ das Wesen von Metromara auf den Punkt: Da wächst was heran!

Josef Engels, 12.11.2016



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