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Fundstücke

Gabriele Hasler, Günter Baby Sommer

Laika/Rough Trade 35103412
(55 Min., 2/2016)

Sie wuchsen in verschiedenen Staaten auf, doch sie haben sich gefunden. Der Schlagzeuger Günter Baby Sommer bewegte sich schon in der DDR im Grenzbereich von Jazz und Neuer Musik, und die westdeutsche Sängerin und Sprechkünstlerin Gabriele Hasler verfügt über einen ähnlichen Hintergrund aus Jazz und Stimmkunst. Das macht sie zum Traumduo für die Fusion von Lyrik, Sprachartistik, Gesang, Percussion und Geräusch. Hasler spielt mit Wörtern, konstruiert und zerlegt Sätze, baut Assoziationsketten, mengt textfreien Gesang ins Geschehen. Sie haspelt, säuselt und brummt, girrt, quietscht, und jeder Klangkrümel wirkt wohlüberlegt und perfekt gesetzt: vollendete Sprechkunst. Sommer schafft ihr eine perkussive Grundlage mit Trommeln, Gongs, Kalimba, Holz- und Metallinstrumenten und Dutzenden weiterer Percussioninstrumente. Er schlägt und reibt sie mal mit den Sticks, mal mit dem Besen und häufig mit den bloßen Händen. Da er seine Instrumente gestimmt hat, lässt er zudem kleine perkussive Melodien entstehen, mit denen er grundiert, reagiert, lenkt, während sie folgt, sich über ihn hinwegsetzt, die Führung übernimmt. Während er sich auf die Naturklänge beschränkt, modifiziert sie ihre Stimme mit Elektronik und greift auch auf die im Studio gegebene Möglichkeiten zurück, mehrere Sprachspuren aufzunehmen. Derart intensiv wie diese Dialoge dieser beiden war schon lange keine Begegnung von Sprache und Percussion mehr. Zudem wurden sie im Studio von Radio Bremen wunderbar detailgenau und mit einem feinen Gespür für die perkussiven Impulse und Nuancen der Stimme aufgenommenen. Ist das Jazz? Eher nicht. Trotz der Wurzeln beider im Jazz bewegen sie sich in einer eigenständigen Klangwelt jenseits der gängigen Genres.

Werner Stiefele, 29.10.2016



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