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Ida Lupino

Giovanni Guidi

ECM/Universal 4785476
(78 Min., 2/2015)

Nach zwei Trio-Alben, in denen der Kontrabass eine eminente Rolle spielte, erstaunt der italienische Pianist Giovanni Guidi nun mit einer basslosen Quartett-Besetzung. Noch immer hat die Musik Guidis eine kontemplative Ruhe und entwickelt sich in langen ein- und ausschwingenden Bögen. Dabei prägt nun offene Interaktion aus einem demokratischen Grundverständnis den Guidischen Ansatz. In dem Posaunisten Gianluca Petrella, seinem Freund und langjährigen Duopartner, hat der Pianist einen idealtypischen blechbläserischen Widerpart, denn Petrella ist wie Guidi ein Virtuose des Weglassens und Warten-Könnens, und auch er scheut vermeintlich einfache Phrasen nicht. Der berühmte Titelsong des Albums aus der Feder Carla Bleys, die einzige Fremdkomposition dieser Einspielung, ist hier quasi Bekenntnis. Louis Sclavis, den Klarinettisten des Quartetts, bringt man eher mit energetischem freien Spiel in Verbindung; hier jedoch fügt er sich in das melodisch orientierte Konzept Guidis und bereichert den Klang mit holzbläserischer Wärme, besonders wenn er zur Bassklarinette greift. Das Programm changiert zwischen balladeskem Rhapsodieren, patternhaft rhythmisch strukturierter Orientierung und offenem Pulsieren. Ähnlich wie in den basslosen Besetzungen Enrico Ravas, Guidis Ziehvater, ist die Harmonik von einer oft statischen Offenheit, die eine Freiheit des Ausdrucks erlaubt, die nicht in plakative Expressivität umschlägt. Die Rolle des Schlagzeugers Gerald Cleaver ist nicht zu unterschätzen, schafft er doch mit diskreten klangmelodischen Patterns auf den Trommeln tonal freie Tieftonobligati und agiert gleichzeitig als Übersetzer ins Afro-Amerikanische der Freiheit generierenden und garantierenden Schlagzeugsprache eines Paul Motian. In der Produktion von Manfred Eicher ist Guidi hier ein Werk kollektiver meditativer Zuhör- und Erlebnismusik gelungen.

Thomas Fitterling, 29.10.2016



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