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Wolfgang Amadeus Mozart

Werke für Klavier

Andreas Staier

helikon harmonia mundi HMC 801815
(66 Min., 4/2003) 1 CD

Ein bisschen gleicht diese Aufnahme einem Glas guten Rotweins. Der erste Eindruck ist zwiespältig, der zweite weckt bereits größeres Interesse, und hat man dann das Ganze mehrfach hintereinander angehört, ist also gleichsam der edle Klangtropfen die Kehle hinabgesunken - dann darf man mit Fug und Recht von einem hohen künstlerisch-kulinarischen Genuss sprechen. Eigentlich typisch für Andreas Staier, den ewigen Streiter für die historische Aufführungspraxis. Glanz und Glamour zeichnete sein Spiel nie aus, dafür ein hoher Grad an Intellektualität, Musikalität und Authentizität.
Staier spielt auf einem Pianoforte, welches Monika May 1986 gleichsam als Kopie eines Originals gebaut hat; als Vorbild diente ein Instrument Anton Walthers aus Wien von zirka 1785. Zu dieser Zeit hatte Wolfgang Amadeus Mozart gerade die c-Moll-Klaviersonate KV 457 und, einige Monate später, die Fantasie in der gleichen Tonart zu Papier gebracht. Staier spielt beide Werke mit großem Ernst, dramaturgisch schlüssig, dynamisch (so weit es das Klangvolumen zulässt) ausgereizt. Imponierend die Kantabilität seiner Wiedergabe, imponierend auch die Fähigkeit zur Konfrontation der Motive, zur dramatischen Zuspitzung. Etwa harmloser, steifer wirken dagegen - sui generis - jene Kompositionen, die im heutigen Konzertleben eine untergeordnete Rolle spielen; so etwa die Suite in C-Dur, die Gigue in G-Dur sowie die frühe Es-Dur-Sonate KV 282. Kurzum: ein Album für Mozart-Gourmets.

Jürgen Otten, 10.01.2004



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