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Monk’estra Vol 1

John Beasley

Mack Avenue/in-akustik 0321113
(54 Min.)

Zu seinen Lebzeiten als Exzentriker und Scharlatan verkannt, gilt der Pianist und Komponist Thelonious Monk heute am Vorabend seines hundertsten Geburtstages als der Säulenheilige des modernen Jazz schlechthin. Kein Musiker, der auf sich hält, spielt nicht mindestens ein Pflicht-Album mit Monk-Titel ein. Manch fragwürdige Kuriosität ist so entstanden. Big-Band-Aufnahmen sind in diesem Zusammenhang selten, obschon Monk zwei Big-Band-Alben eingespielt hat, an deren Arrangements er einflussreich beteiligt war. Ein drittes mit dem zum Hollywood-Bombast tendierenden Oliver Nelson gilt als abschreckendes Beispiel für kommerzorientiertes Unverständnis des Monkschen Genius‘. Schlimmes war also zu befürchten, als ein Big-Band-Album des in Hollywood erfolgreichen Arrangeurs John Beasley angekündigt wurde. Doch angesichts der vorliegenden CD erweisen sich die Befürchtungen als weitgehend unbegründet. Beasley wurde schon als Teenager von der Begeisterung für Monks Musik ergriffen. Als Pianist hat er mit Schlüsselfiguren des modernen Jazz gearbeitet, war der Keyboarder in der letzten Miles Davis Band; immer aber träumte er den Traum von einem eigenen Orchester, mit dem er seine Klangvorstellungen von Monks Musik umsetzen wollte. Jetzt ist ihm dies gelungen. Nicht Werktreue ist sein oberstes Ziel, sondern er will die versteckten Elemente in Monks Musik, die in überraschende Richtungen weisen, aufgreifen und mit ungewöhnlichen Instrumentationen beleuchten. Da wird schon mal ein versteckter Cha-Cha oder Second-Line-Beat thematisiert, und die Crème der Westküsten-Studiomusiker spielt die höchst einfallsreichen Arrangements voller Begeisterung. Das ist manchmal nahezu genialisch, und dann doch aber auch etwas fragwürdig, etwa wenn das berühmte „´Round Midnight“ mit Backbeat und Synthesizer-Gewaber daherkommt oder wenn die Klänge entgegen der angekündigten Absicht zu klumpender Verdichtung neigen. Dennoch, diese Einspielung bietet höchst hörenswerte neue Interpretationsansätze, und so freut man sich auf weitere Folgen.

Thomas Fitterling, 01.10.2016



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