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Nearness

Joshua Redman, Brad Mehldau

Nonesuch/Warner 7559794560
(74 Min.)

Ihre Weltkarriere begannen der Pianist Brad Mehldau und der Saxofonist Joshua Redman in den 1990er Jahren gemeinsam in Redmans Quartett. Später trennten sich die Wege – auch Mehldau bildete eine eigene Formation. Hin und wieder trafen sie sich und gelegentlich standen sie sogar zu zweit auf der Bühne. Aus diesen Begegnungen wuchs allmählich ein festes Duo mit eigenem Repertoire. Eine Auswahl aus den Konzertmitschnitten fasst das Duo-Album „Nearness“ zusammen. Der Titel ist keinesfalls zu hoch gegriffen, denn tatsächlich sind sich die beiden so nahe wie wenige andere Duopartner. Jeder scheint zu ahnen, wohin sich die Gedanken des anderen entwickeln, und manchmal schicken sie sich auch im Überraschungsdialog auf unerwartetes Terrain. Dabei halten sie die Ausgangsthemen stets präsent, variieren sie, umgeben prägende Wendungen mit unterschiedlichen Garnierungen. Sechs Titel umfasst die Disc, beginnend mit einer intensiven Neufassung von Charlie Parkers „Ornithology“, dessen Bebop-typischen Sprünge sie aufgreifen ohne in Bebop-Muster zu verfallen, und endend mit dem nachdenklichen „Old West“ aus Mehldaus Feder. Sein „Always August“ lebt vom Sog eines kraftvollen Ostinatos aus, über das er und Redman weich fließende Melodien setzen. Ihre Version von „In Walked Bud“ verwandelt den sperrigen Gestus von Thelonious Monks Original in ein faszinierendes Hin und Her von Themensprengseln, während sie den Standard „The Nearness Of You“ als zarte Ballade interpretieren. Das von Redman komponierte „Mehlsancholy Mode“ ließe eigentlich eine melancholische Ballade erwarten. Das täuscht, denn in dem zwölfminütigen Stück kreist ein Motiv, aus dem sich bei anderen Musikern eine Ballade entwickeln könnte, wie in einer depressiven Gedankenschleife um sich selbst. Obwohl nahezu die komplette Musik improvisiert sein dürfte, geraten die zwei nie in die Gefilde von Leerlauf oder Beliebigkeit: Sie verfügen über so viel Erfahrung, dass sie auch im Nicht-Abgesprochenen form- und harmoniebewusst bleiben.

Werner Stiefele, 10.09.2016



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