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Blue Man

Helmut Kagerer Trio

Alessa/Membran ALR 1038
(67 Min., 10/2014)

Die 1950er Jahre brachten exzellente Jazzgitarristen wie die Amerikaner Wes Montgomery, Joe Pass und Barney Kessel oder den Ungarn Attila Zoller hervor. Sie sind Vorbild für den deutschen Jazzgitarristen Helmut Kagerer. Von ihnen hat er gelernt, ohne sie zu kopieren. Er hat die wunderbare Fähigkeit entwickelt, Themen von Standards und eigenen Kompositionen in langen, elegant swingenden Linien auf Dutzende von Arten zu variieren. Hin und wieder wirft er einige Akkorde dazwischen – aber nur, um einen besonderen Akzent in den herrlichen Melodien zu setzen. Etwas mehr als eine Stunde entführen Kagerer und seine Partner in eine Welt des ungetrübten Wohlklangs, der Harmonie und der Schönheit. Dabei stehen Klassiker wie „Let’s Get Lost“, „Fungi Mama“, „Cute“ oder „Estate“ ebenso auf dem Programm wie weniger Bekanntes und Eigenkompositionen Kagerers. Davide Petroccas Kontrabassbegleitung wirkt auf den ersten Eindruck vor allem zuverlässig und routiniert. Aber je länger ein Titel läuft, desto deutlicher wird, mit welcher Raffinesse Petrocca seiner eigenen Melodik folgt und dabei eine angenehme Kontrastspannung zu Kagerer aufbaut – die Schule seines Vorbilds und Lehrers Niels-Henning Ørsted Pedersen ist unüberhörbar. Der Schlagzeuger Bernd Reiter hingegen bleibt tatsächlich im Hintergrund: ein sehr guter Timekeeper ohne solistische Ambitionen. Diese Platte will nicht mehr sein als sie ist: mehr als eine Stunde stimmungsvoller Retro-Jazz mit einer eigenen Note, die ihn weit von Plagiaten absetzt.

Werner Stiefele, 20.08.2016



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