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Live in Cologne 1974

Ella Fitzgerald

Jazzline/Delta N77 027
(65 Min., 2/1974)

Ella live, da weiß man, was man hat. 1974 war die First Lady of Jazz auf einer jener Mammuttourneen, die der Impresario Norman Granz regelmäßig für sie durch die ganze westliche Republik organisierte. Wie meist war in den Städten mit öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der entsprechende Radiosender mitschneidender Mitveranstalter. Jetzt werden die Archivschätze aus jenen Tagen gehoben, und immer mal wieder stellt sich heraus, dass das verklärt von dem Konzertablauf in Erinnerung Gebliebene der kritisch distanzierten Rückschau nicht so ganz standhält. Wieder gilt die alte Produzentenweisheit, dass was live funktioniert, es als Konserve noch lange nicht tut. Bevor Ella die Bühne in der Sporthalle betrat, hatte sich ihre Begleitband, das um den Gitarristen Joe Pass erweiterte Tommy-Flanagan-Trio, quasi als Vortruppe zum eigentlichen Act, warm spielen dürfen. Von diesem Set findet sich leider nichts auf der vorliegenden CD, sondern der Mitschnitt setzt mit dem Auftritt Ellas ein. Die war in bester Laune und als echte Bühnenkatze dazu aufgelegt, ihrem begeisterten Publikum die volle Breitseite ihrer Entertainment-Routine zu geben. Für instrumentale Soli war von nun an kein Platz mehr, sieht man von den beiden Duetten mit dem Meistergitarristen Joe Pass ab. Ellas Sangeskunst stand im Mittelpunkt. Das heißt in der Rückschau, dass ihre Scat-Akrobatik oft den Charakter des jeweiligen Songs zu erdrücken scheint. Die Lieder mit ihren Texten können ihr nicht viel bedeutet haben; wieanders lässt sich erklären, dass sie aus einem sensiblen Song ein launiges Medley machte, das querbeet durch das American Songbook alle möglichen Lieder verhackstückte. Doch wenn sie sich auf Texte einließ, gelangen ihr hinreißende Balladeninterpretationen. Die kurzen Gastauftritte der schon etwas matten Swing-Veteranen, des Tenoristen Eddie „Lockjaw“ Davis und des Trompeters Roy Eldrige wiederum blieben in rumpelnder Jam-Session-Routine stecken. Die Freude über den gehobenen Schatz ist etwas von Enttäuschung getrübt.

Thomas Fitterling, 12.08.2016



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