Nachdem so gut wie jede Donizetti- und Rossini-Oper eingespielt ist und auch im übrigen Belcanto-Repertoire schon viele Schätze geborgen wurden, sieht sich Opera Rara anscheinend auch nach anderen Betätigungsfeldern um. Mit Leoncavallos 1900 uraufgeführter Oper „Zazà“ überschreitet das Label erstmals die Schwelle zum 20. Jahrhundert – und gleich dieser erste Verismo-Ausflug ist hervorragend gelungen.
Das liegt neben dem energiegeladenen Dirigat von Maurizio Benni vor allem am Liebespaar. Ermonela Jaho wirft sich mit Hingabe in ihre Rolle, liefert mit verführerischer Nonchalance und der nötigen Expansionsfähigkeit eine nahezu ideale Zazà. Ihr aufregend reizvolles Vibrato trägt die Gefährdung allerdings schon in sich, in einigen Jahren dürfte ihr die Kontrolle schwerfallen. Hier und jetzt aber bereitet ihr leidenschaftliches Porträt der Revuesängerin den Ohren viel Vergnügen. Das gilt auch für Riccardo Massi, der für den in seiner Reuelosigkeit an Butterflys Pinkerton erinnernden Helden Milio Dufresne einen sehr einnehmenden Tenor mit einem Schuss Metall und effektvoller Höhe mitbringt. Bariton Stephen Gaertner überzeugt als Zazàs Entdecker und ehemaliger Geliebter Cascart ebenso wie die gut besetzten kleineren Partien. Nur Patricia Bardon als Alki-Mutter Anaide schert da stimmlich etwas aus, macht aber darstellerisch bella figura. Auf diesem Niveau darf Opera Rara künftig gerne häufiger im Verismo-Revier wildern.

Michael Blümke, 13.08.2016



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