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My Instrument Is The Orchestra

Markus Geiselhart

Jive Music Austria/O-Tone Music/Edel Kultur JM-2082-2
(53 Min., 9/2015)

Der in Stuttgart aufgewachsene und in Würzburg und Wien musikalisch sozialisierte Komponist und Arrangeur meint es ernst mit dem Klischee, mit dem er seine erste CD betitelt. Konsequent verschweigt er sein obligat mitstudiertes Instrument. Doch dass es sich um die Posaune handelt, wird schnell klar. In seinem 2010 in Wien mit großem Enthusiasmus gegründeten Markus Geiselhart Orchestra kommt den tiefen Blechbläsern eine gewichtige Rolle zu. Drei der vier Posaunisten spielen auch Euphonium, und der Bassposaunist bedient zusätzlich die Tuba. Von außen betrachtet erstaunt, wie schnell der Schwabe die Crème der jungen Big Band-Szene Wiens für seinen Klangkörper begeistern konnte. 2013/14 war das MGO Stage Band im Vorzeigeclub Porgy & Bess. Traditionelle Big Band-Sounds bilden die Grundlage von Geiselharts Musik. Gerne setzt er schroff versetzt riffende Instrumentengruppen gegeneinander und lässt sie dabei auch rhythmisch Vertracktes exekutieren – schließlich ist der Bandleader ein Fan des rhythmischen Experimentators Don Ellis. Aber auch diskret seidige Klänge umgarnen so manchen blechernen Fanfarenstoß. Lustvoll werden die harmonischen Texturen ausgekostet. Man mag bedauern, dass auf diesem Debüt die Musik vor allem als Gruppenereignis angelegt ist. Was solistisch zu vernehmen ist, zeugt oft von überragender Solidität, fesselt aber nicht unbedingt mit zwingender Gestaltungsvision – sieht man von dem Gastauftritt des Flügelhornisten Herbert Joos ab. Vielversprechend ist allerdings die angekündigte Zusammenarbeit mit dem Posaunentausendsassa Ray Anderson, die idealtypisch in dieses Big Band-Konzept passen müsste. Doch das ist ein Versprechen für die Zukunft.

Thomas Fitterling, 30.04.2016



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