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Aftersun

Bill Laurance

GroundUP/Universal 602547770127
(54 Min.)

Dass der britische Keyboarder und Pianist Bill Laurance Mitglied der bei jüngeren Hörern erstaunlich erfolgreichen Fusion-Formation „Snarky Puppy“ ist, hört man auf seinen Alben unter eigenem Namen sofort: Die einprägsamen Melodiekürzel, die markanten Moog-Bässe sowie der kluge Einsatz von elektronischen Hilfsmitteln und clubtauglichen Grooves hat sich Laurance von seinem Hauptarbeitgeber abgeschaut. Davon konnten sich Besucher der Live-Konzerte des Engländers bei seiner Deutschlandtour im März überzeugen.
Bei seiner dritten Platte verzichtet Laurance auf die Liebäugeleien mit orchestralen Elementen, Tango-Ausflügen oder gelegentlichen Orientalismen, die seine vorhergehenden Aufnahmen prägten. „Aftersun“ steht hauptsächlich im Zeichen des Afro-Funk im Gedenken an Fela Kuti.
Der prägnante Bass von „Snarky Puppy“-Frontmann Michael League verwebt sich mit Robert „Spur“ Searights Drums und Weedie Braihmas Percussion zu einem dichten Rhythmusgeflecht, auf dem Laurance seine pianistischen Preziosen ausbreiten kann. Der Brite erweist sich dabei als Chamäleon, das sich mal in Herbie Hancock (im Eröffnungsstück „SOTI“), mal in Oscar Peterson (in der electroswingigen Nummer „The Pines“) oder in Rick Wakeman („Golden Hour“) verwandelt.
Diese Morphing-Kunst führt aber auch dazu, dass eine genuin eigene Stimme von Bill Laurance in dem höchst unterhaltsamen „Aftersun“-Gebräu nur schwer auszumachen ist. Was auch daran liegt, dass die Kompositionen des Engländers melodisch nicht klar konturiert sind, sondern eher Stimmungsbilder evozieren. Da besteht beim Hörer die Gefahr des geistigen Abschaltens. Raten kann man dazu nicht: Man verpasst sonst zu viele liebevoll eingearbeitete Details.

Josef Engels, 30.04.2016



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