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Perfection

David Murray, Geri Allen, Carrington Power Trio

Must Have Jazz/Membran 234221
(58 Min., 2016)

Old School. Harte Kost. Kein Ohrenschmeichler. Jazz. Die Pianistin Geri Allen, der Tenorsaxofonist und Bassklarinettist David Murray und die Schlagzeugerin Terri Lyne Carrington meiden alle modischen Schönspielereien und machen kompromisslos puren Jazz, wobei sie souverän mit allem jonglieren, was die Jazzgeschichte seit den 1950ern hergibt: Bebop, Hard Bop, Cool Jazz, Soul Jazz, Free Jazz, pointilistischen Modellen, der Begegnung mit Klassik, Rock und Funk, minutiöser Komposition und organisierter Freiheit. David Murray, in den 1970ern mit dem World Saxophone Quartet ein Star und nach dessen Auslösung zum Geheimtipp geworden, hat in den musikalischen Konversationen mit seinen Partnerinnen Gelegenheit, die volle Farbenpracht seines Spiels vom altmeisterlich warmen Ton bis zu den Schreien der einstigen Avantgarde auszuspielen, wobei er sich eher auf die sensible Ausdeutung der Themen als auf eruptive Showstücke konzentriert. Geri Allen und Terri Lyne Carrington greifen auf ein ähnlich umfassendes Vokabular zurück. Sie können mit Entertainment und Gefälligem kokettieren. Ihre wahre Stärke aber besteht darin, sich aus der Rolle der Begleiterinnen zu lösen und neben Murray als gleichberechtigte Partnerinnen das Geschehen zu bestimmen. Kein Wunder: Beide haben in der Band von Wayne Shorter das Prinzip des improvisierten Komponierens, des Formfindens aus dem Moment, des Hörens und Führens gelebt, und Allen hat zudem in Ornette Colemans Formation dessen wunderbare Kombination aus Melodienseligkeit und Freiheit durchlebt. Was dieses Trio bietet, ist schlichtweg eine der möglichen Zwischenbilanzen der Jazzgeschichte auf höchstem musikalischem Niveau. Schade, dass die Tontechniker im Studio die Instrumente eher flach als dem intensiven Spiel entsprechend plastisch eingefangen haben.

Werner Stiefele, 23.04.2016



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