Responsive image

High Noon

Kalle Kalima

ACT/Edel 1095962ACT
(65 Min., 12/2014)

Der finnische Gitarrist Kalle Kalima gilt in seiner Wahlheimat Berlin als einer der kühnsten Stilmischer. Jetzt widmet er sich mit seinem traditionell besetzten Jazztrio der Interpretation von Country- und Western- Klassikern. Selbst ein unverdächtiger Avantgardist der alten Schule wie Paul Motian hat mit seinem Gitarristen Bill Frisell in Erinnerung gebracht, wie sehr dieses Genre zum urmusikalischen Erbe Amerikas gehört, aus dem ja auch der Jazz als Amalgam hervorgegangen ist. Dennoch werden viele Jazzer, europäische zumal, die mit Hillbilly-Klängen assozierte Musik als das glatte square Gegenstück zu ihrer Hipster-Musik empfinden, quasi als das verzerrte Klang-Abbild von law and order redneck-Seligkeit. Die von Produzent Siggi Loch ausgewählte Cover-Art darf man als selbstschützende Ironisierung dieses Vorurteils interpretieren. Musikalisch setzt Kalima darauf, der einst zum Countryfan von seinem Gitarrenlehrer sozialisiert wurde, diese Musik mit ihrer spezifischen Melancholie ernst zu nehmen – Momente derb-kumplerischer Anbiederei sind denn auch selten. Schon der intelligent variantenreich gespielte Kontrabass von Greg Cohen ist da die halbe Miete. Der Leader als agent provocateur spielt ausführlich mit den slide-Klischees der Herz-Schmerzthematik und unterzieht sie gewagten Explorationen, lässt so immer wieder Vergnügliches entstehen. Manchmal wünschte man sich, Schlagzeuger Max Andrzejewski würde dies noch ausgebuffter mitgestalten. Schließlich erhebt Kalima den Anspruch, das Album solle ein Road Trip […] eine Art „Kind of Blue“ mit Country-Jazz sein. Auch das kommentiert Uncle Joe von George Condos Cover-Art derb pointiert.

Thomas Fitterling, 22.04.2016



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

An den Feiertagen immer wieder dieselben Weihnachtsklassiker hören? Wem dabei potenziell eher langweilig wird, dem sei die CD „O heilige Nacht“ des Dresdner Kammerchores wärmstens ans Herz gelegt. Was dem Titel nach zunächst verdächtig nach traditionellen Arrangements klingt, entpuppt sich beim genaueren Hinschauen und Hinhören als vokaler Ausflug in eine Zeit, auf die für Weihnachtsmusik nur selten zurückgegriffen wird: die Romantik. So singt der Chor unter der Leitung von […] mehr »


Top