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Ur

Florian Favre

Traumton/Indigo 121212
(47 Min.)

Immer wieder erstaunt uns unser Nachbarland Schweiz mit seiner Fülle an jüngeren Musikern, die eine höchst subtile instrumentale Meisterschaft entwickelt haben, die zudem eine eigene nationale Identität atmet. Manchmal scheint es, als sei die Welschschweiz mit ihrem innerschweizerischen und internationalen Schmelztiegel-Charakter ein besonders fruchtbarer Boden für dieses Phänomen. Bei dem Pianisten und Komponisten Florian Favre und seinem Trio drückt sich das durch eine besondere Betonung der Kommunikation mit dem Hörer aus, ein Ansatz allerdings, der bei ihm auf feinsinnige Gesten setzt und dem derber Humor fremd ist; dafür spürt man Favres Sinn für einfache Schönheit, aber auch für verquere Klänge, und seine Lust am Jonglieren mit leichtfüßig federnden Rhythmen. All das verweist auf die Gleichberechtigung der Instrumente in einem Dreier-Organismus – und auf die Notwendigkeit einer stimmenden Chemie zwischen den Beteiligten.
Die Besetzung auf „Ur“ ist relativ neu. Schlagzeug spielt Arthur Hnatek, und der bestätigt den legendären Ruf der Schweizer Drummer auf das musikalischste. Kontrabass spielt Manu Hagmann; auch er fügt sich in diese Formation aufs trefflichste. Es ist wohl der Geist eines direkt ins Mutterland des Jazz hinein weltoffenen „esprit de corps“ des Schweizer Jazzschulensystems, der hier so idenditätsstiftend prägt. Höchst vergnüglich ist diese Musik, die schon mal deftig angeschlagenen Bassfiguren im Diskant hakenschlagende Melodiekürzel entgegenschleudert – Bass und Schlagzeug lassen sich dabei auf dieses Wechselspiel mit Hintersinn ein, ohne die Pointe durch wohlfeile Klischees zu verderben; und in den Momenten akkordischer Selbstreflexion vermitteln sich Momente spezifisch Schweizerischer Gelassenheit.

Thomas Fitterling, 16.04.2016



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