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Criss Cross

Florian Weber

Enja/Soulfood ENJ9615
(42 Min., 2/2014)

Die Präsenz des deutschen Pianisten Florian Weber (39) diesseits und jenseits des Atlantiks lässt an den Igel aus der berühmten Hase-und-Igel-Fabel denken, dabei ist er es tatsächlich selber, der sich in mannigfachen Projekten mit unverwechselbarer Authentizität einbringt. Die verdankt einem Thelonious Monk und Bill Evans viel, liebäugelt mit mathematischen Kontstruktionsprinzipien – auch im Rhythmischen. Die offene „polyphone Intuition“ eines auf einen Bass verzichtenden Trios ist ihm auf seinem neuen Album zentrales Prinzip. Er bezieht sich dabei bewusst auf Paul Motian mit dem Saxofongiganten Joe Lovano und Bill Frisell. Nicht darum gehe es, den Bass zu ersetzen, sondern vielmehr die Freiheiten die sein Fehlen bietet, zu nützen. Dieser Ansatz steht hier im Dienst der „Erkundungen der Musik von Monk und Bill Evans“, wie es im Untertitel dieser CD heißt.
Dan Weiss, Webers bevorzugter Partner seiner Projekte jenseits von Minsarah, spielt Schlagzeug, und mit dem 50 Jahre jungen Donny McCaslin hat er einen jungen Tenorsaxofontitanen in der Band, den die Mitwirkung an David Bowies Vermächtnis-Album in einen wahren Shooting-Star-Status katapultiert hat. Klanglich besticht das Album mit dem besonderen Reiz von gleichzeitg erklingendem und trefflich integriertem Fender Rhodes und klassischem Flügel. Webers Arrangements arbeiten spannungsvoll die abgründig verwinkelten und ihrer immer noch verstörend eigenen Logik folgenden Melodie-und Harmonistrukturen von fünf Monk-Klassikern heraus; gleichzeitig machen sie aus den implizierten polyrhythmischen Überlagerungen lustvoll ausgedeutete Schichtungen. Kongenial ergänzen sich Saxofon und Tasteninstrumente auch in den subtileren Explorationen des mit Evans assoziierten Materials. Immer wieder wird das Geschehen auf reine Duos eingedampft. Das geht mit Wärme zu Herzen und erfreut den Verstand.

Thomas Fitterling, 26.03.2016



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