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Wolfgang Amadeus Mozart

Klavierwerke Vols. 8 & 9

Kristian Bezuidenhout

harmonia mundi HMU 907532.33
(154 Min., 1 & 6/2013, 12/2014) 2 CDs

Auf den ersten Blick sieht das Programm von Kristian Bezuidenhouts abschließenden Volumes seiner Gesamteinspielung des Mozart´schen Werks für Klavier solo nach einem bunten Sammelsurium aus: Gelegenheitswerke wie der humoristische „Kleine Trauermarsch“ stehen neben Präludien, Satzfragmenten (sie wurden von Robert Levin vollendet), vier Sonaten sowie den beiden großen Variationszyklen über ein Menuett von Duport bzw. „Dieu d'amour“ von André Grétry. Doch diese Buntheit ist Vorsatz. Gerade in seinem letzten Lebensjahrzehnt beschäftigte sich Mozart mit den unterschiedlichsten Projekten, wobei er neue wie altertümlich-barocke Stileinflüsse, Improvisationslust und Denken in wiedererkennbaren Formen gegen- und miteinander ausspielte. Die beiden CDs eröffnen einen Blick auf diesen Mozart'schen Kosmos, in dem hochexperimentelle Versuche wie das Menuett KV 355, die modulierenden Präludien KV 624/626a wie Kometen zwischen den in berechenbareren Bahnen einhergehenden Sonaten KV 545 und KV 576 auftauchen. Wieder einmal sind es unterschätzte und weniger bekannte Stücke, in denen Bezuidenhout besonders punktet: Den experimentellen Gehalt der barockisierenden Suite KV 399 erfasst er ebenso wie den irrlichternden Witz der kleinen Gigue KV 574 oder den improvisatorischen Charakter des Beginns der Sonate KV 545. In seinem historisch informierten, farbenreichen Spiel auf dem im Diskant silberhell nachhallenden Nachbau eines Walter-Flügels wird dabei paradoxerweise die Vorreiterrolle Mozarts für die frühe Romantik besonders stark spürbar. Ganz lapidar endet mit dem hingetupften Schluss der letzten Sonate KV 576 der Streifzug durch Mozarts Klavierwelt – und man möchte gleich wieder von vorne mit dem Zuhören beginnen, um ihre unerschöpflichen Schönheiten zu erkunden.

Carsten Niemann, 05.03.2016



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