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Shadow Garden

Sarah Buechi

Intakt/harmonia mundi INT259
(61 Min., 5/2015)

Die Schweizer Komponistin und Sängerin Sarah Buechi ist mit ihren 34 Jahren weit in der Welt herumgekommen. Sie hat in Luzern bei Lauren Newton und Susanne Abbuehl Jazzgesang studiert, dann ging sie für über ein Jahr nach Bangalore in Indien, lernte dort die Finessen rhythmisch sich überlagernder Zyklen und der Mikrotonalität kennen; später bildete sie sich in New York weiter, ebenso in Kopenhagen, unterrichtete in Dublin und lebte in London. Mit den drei Schweizern Stefan Aeby, André Pousaz und Linonel Friedli an Flügel, Kontrabass und Schlagzeug hat sie eine bestens aufeinander eingespielte Working Band, mit der sie eine ganz persönliche Form eines sich selbst suchenden Kunst-Song-Genres aus dem freien Geist des aktuellen Jazz realisiert. Die klassische Chorus-Abfolge ist dabei aufgelöst, vielmehr ereignen sich die strophischen Vortrags-Abläufe der ambitionierten englischen Gedichte in variierend zyklischer Abfolge.
Die dichten, harmoniesatten Aktionen der Instrumentalisten mit oft deftig rhythmischer Vielschichtigkeit sind eng verzahnt mit den kehlig volltönenden und dann auch metallischen Vokalisen der Sängerin. Die bürstet die surrealistischen, manchmal etwas bedeutungsgründelnden Texte eigensinnig gegen den Sprachduktus. Das erzeugt eine faszinierend symbiotische Spannung, verbinden sich doch so kraftvoll patternhafte Formen aktueller Klaviertrio-Polyphonie innig mit einer seltenen weiblichen Stimmgewalt. Dies ist das Ergebnis der dramatischen Konzeption von Buechi, die für die Text-Musik-Kompositionen verantwortlich zeichnet. Ironischerweise allerdings ist der Hidden Track mit einem alten Schweizer Volkslied, dem Guggisberglied, der Titel mit dem größten Gänsehauteffekt.

Thomas Fitterling, 06.02.2016



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