Responsive image

Tenderly

Stacey Kent

Okeh/Sony 88875156762
(43 Min.)

Stacey Kent, die amerikanische Sängerin mit der besonderen Affinität zu England und Frankreich, hat stets eine jungmädchenhafte Zerbrechlichkeit in der Stimme, die gleichzeitig die Verletzlichkeit der reifen Frau erahnen lässt. Lupenreine Intonation und emotionale Intelligenz bei der interpretatorischen Durchdringung der Songtexte gehen bei der 48-Jährigen eine selbstverständlich wirkende Verbindung mit einer natürlich swingenden Lässigkeit des Vortrags ein und machen sie so auch zu einer begnadeten Interpretin brasilianischer Musik. In einem der Gründerväter der Bossa Nova, Roberto Menescal, fand sie einen frühen Fan und späteren Gitarristen-Partner. In jungen Jahren wurde dieser zutiefst vom Jazz aus dem Geist des Great American Songbooks geprägt. Als sich jetzt Kent auf ihre eigenen Wurzeln aus dieser Tradition zurückbesinnen wollte, war Menescal sogleich bereit, für eine minimalistische und intime Besetzung ein Programm aus zwölf Klassikern des Standard-Repertoires zu arrangieren und den Gitarrenpart zu übernehmen. Der andere Instrumentalist ist der Kontrabassist Jeremy Brown. Kents Ehemann, Jim Tomlinson, kommt für vier Titel mit dem Tenorsaxofon und für einen weiteren mit der Flöte dazu; zwei Songs gestalten die Sängerin und der Gitarrist im Duo. Thematisch geht es sehnsuchtsvoll um erfüllte und unerfüllte Liebe. Faszinierend durchzieht ein bossatypischer, melancholisch selbstironischer Hauch die Gitarrenbegleitung, mit kühnen Akkordfortschreitungen unterläuft sie aufgeweckt Sentimentalität, und die diskreten Saxofonsoli, die die Stimme umschmeicheln, haben bei aller Stan Getz’schen Coolness eine gewisse rauhe Ben Webster’sche Erdung, die das Programm in einer intellektuell vergnüglichen Balance hält.

Thomas Fitterling, 30.01.2016



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




Top