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Charles-Marie Widor

Meister der Orgelsinfonie

Gerard Brooks, Daniel Roth u.a.

Fugue State Films/Naxos FSFDVD010
(300 Min., 2014) 2 DVDs + 2 CDs DVDs

Der geniale Orgelbauer Aristide Cavaillé-Coll ließ sich immer wieder etwas einfallen, um das Klangspektrum der Orgel zu erweitern. Bei dem Prachtinstrument in der Pariser Kirche St-Sulpice etwa konnte er den damaligen Organisten Louis James Alfred Lefébure-Wély mit einigen ungewöhnlichen Effekten verblüffen. Dazu gehörten etwa die lautmalerischen „Hagel“- und „Donner“-Register. Als aber dann 1870 Charles-Marie Widor zum Titularorganisten ernannt wurde, sorgte er dafür, dass diese merkwürdigen Klänge schneller als gedacht wieder verstummten. Für solche musikalischen Gimmicks hatte Monsieur einfach nicht viel übrig, wie sein Nachfolger Daniel Roth nun im Rahmen eines sehenswerten Porträts vom französischen Orgelerneuerer betont. Andererseits war der Komponist Widor bekanntermaßen nun wirklich kein Purist, was die orchestralen Dimensionen seiner Hauptwerke angeht. Und zwei seiner Orgelsinfonien Nr. 5 & 6 werden immerhin von Gerard Brooks in voller Länge und an den Kirchenorgeln in Rouen und Orléans beeindruckend hingelegt. Der englische Organist Brooks wechselt sich zudem im Laufe dieser Filmdokumentation vom Leben und Schaffen Widors mit erhellenden Kommentaren mit zwei weiteren Widor-Spezialisten ab. John Near ist für den biografischen Abriss verantwortlich. Daniel Roth erinnert hingegen als Mann der Praxis an die auf Widor zurückgehenden, grundlegenden Veränderungen, was die Sitz- und Spielhaltung angeht. Beugten sich zuvor die Organisten mit krummen Rücken über die Tastatur und bearbeiteten dabei die Pedale ungelenk – „wie Frösche im Glas“ – mit gespreizten Beinen, forderte Widor von nun an eine majestätische Position ein. Auch solche Anekdoten runden diese äußerst hörens- und sehenswerte Widor-Hommage ab – wobei Roth eben nicht nur wortreich glänzt (dieses Talent hat sein Sohn, der Dirigent Franҫois-Xavier Roth von ihm geerbt), sondern auch auf den beiliegenden CDs als Interpret von ausgewählten Orgelsinfonie-Sätzen.

Guido Fischer, 09.01.2016



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