Als das von Hervé Niquet gegründete Ensemble Le Concert Spirituel sich vor knapp 30 Jahren aufmachte, speziell das französische Barockrepertoire extrem gut durchzulüften, trumpfte man gleich zu Beginn mit einer Operntrüffel auf. Es war die dreiaktige Don Quichotte-Farce, die Joseph Bodin de Boismortier 1743 aus der Feder gehüpft war. Und die CD-Einspielung von „Don Quichotte chez la Duchesse“ wurde einige Zeit später dank Niquet & Co. sogleich zu einem Heidenspaß und zum Startschuss für weitere Boismortier-Entdeckungen. 2015 tat sich Niquet nun für eine Neuproduktion mit jenem französischen Regie-Ehepaar Corinne & Gilles Benzio zusammen, das bereits 2009 Henry Purcells „King Arthur“ in eine grandios pfiffige Barock-Operette verwandelt hatte. Wobei damals Dirigent Niquet auch sein urkomisches Bühnentalent unter Beweis stellen konnte.
Nun liegt also der mit Spannung erwartete Teil 2 dieses Erfolgsteams vor. Aber ähnlich wie bei Kino-Blockbustern, bei denen die Fortsetzungsfilme einfach nicht an das Original heranreichen, hält der Mitschnitt aus dem Versailles Opernhaus nicht das, was man sich erhofft hat. Das Feuerwerk der brillanten Einfälle, das bei „King Arthur“ gezündet wurde, erweist sich bei Boismortier leider allzu oft als Rohrkrepierer. Während Niquet sich direkt zu Beginn, als Don Quichotte verkleidet, durch die Sitzreihen schlängelt, muss er später etwa mit dem Regieduo ein banal klamaukiges Flamenco-Intermezzo auf die Bühnenbretter legen. Und weil es sich hier um ein Opéra-ballet handelt, kommt selbst Don Quichotte nicht herum, sich tölpelhaft ins Musette-Treiben einzureihen. So überzeichnet und überbunt es da zugeht, so reißt immerhin auf ganzer Linie die musikalische Marschrichtung mit. Was nicht erstaunt. Denn dass Niquet sich in Boismortiers so ungemein reiche und tatsächlich mit Rameau konkurrierende Musik regelrecht verliebt hat, hört man der Aufführung mit ihren solistischen und chorischen Spitzenkräften von Anfang bis Ende an.

Guido Fischer, 02.01.2016



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