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Night Will Fall

Robert Landfermann

Pirouet/Edel PIT 3088
(49 Min., 2/2015)

Sie können mit der Freiheit umgehen. Robert Landfermann, bisher vor allem als Bassist im Trio von Pablo Held hervorgetreten, die beiden Saxofonisten Christian Weidner und Sebastian Gille, der Pianist Elias Stemeseder und der Schlagzeuger Jim Black, ein Urgestein der Gratwanderung zwischen Free, Disziplin, Jazz und Rock, ersetzen zwar vordergründig die Struktur der Chorusse durch den freien Fluss der Gedanken. Die aber sind durch Komposition und Selbstdisziplin so wohlgeordnet, dass die von diesem Quintett verfolgte Version des Free Jazz nichts mit dem Schreckgespenst aller Feinde des modernen Jazz aus den 1960ern und 1970ern gemein hat. Schon damals strebte die Mehrheit der Avantgardisten eine stilistische Neuorientierung an – und nicht die ihnen unterstellte Destruktion.
Bereits den Free-Pionieren – und erst recht dem Landfermann Quintett – lagen Arrangements der Wendepunkte, definierte Themen und oft auch Skizzen für den Gesamtverlauf vor. In dieser Formation sind zwar die Taktstrukturen oft durch frei fließende, überwiegend durch den Bandleader und Black definierte Rhythmen ersetzt. In diese aber fügen sich die beiden Saxofonisten und der Pianist sensibel ein und ergänzen sie durch weiche, schwingende Melodien. Dabei folgen auf das bedächtige „Motettu de Tristura“ ein vehement rockendes „Berg“, in dessen massiven Puls allerdings Breaks gewaltige Lücken reißen und dadurch Raum für Wendepunkte schaffen. „Rot“ hingegen steht als Sammelsurium lose verbundener Klangsplitter für das entgegengesetzte Extrem eines pointilistischen Spiels. Die meisten der acht Titel wirken jedoch über weite Passagen filigran und brüchig – eine logische Konsequenz aus dem Bestreben, eng, intensiv und insofern auch dicht miteinander verbunden zu kommunizieren. Je häufiger man die Platte hört, desto vertrauter wirken die oft aus Klangtupfern zusammengesetzten Stücke.

Werner Stiefele, 31.10.2015



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