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Children Of The Light

Danilo Pérez, John Patitucci, Brian Blade

Mack Avenue/In-Akustik 0321104
(56 Min.)

Der Albumtitel ist treffend suggestiv, dabei stellt er eigentlich den von den Musikern gewählten Namen der Band dar; doch als solcher ist er eher unkompatibel für das angemessene Marketing. Schließlich handelt es sich bei dem Pianisten und Keyboarder Danilo Pérez, dem Kontra- und E-Bassisten John Patitucci und dem Schlagzeuger Brian Blade um Spitzenmusiker auf ihren Instrumenten und zugleich um das schlafwandlerisch aufeinander eingespielte Rhythmusteam der 82-jährigenSaxofonlegende Wayne Shorter, des Jazzgurus aus dem Geiste der offenen Miles-Davis-Tradition. In Konzerten seiner drei Jünger war bereits zu erleben, wie sie die Theorie von „zero gravity“ des Meisters, also des Fallen-Lassens in den Augenblick, in hoch konzentrierten Interaktionen fesselnd umsetzen: Spontan ergaben sich da zirkuläre motivische Entwicklungen von ungeheuer feinsinnigen Strukturen und faszinierender rhythmischer Differenziertheit.
Entsprechend groß war die Erwartung an das erste Album dieser „Kinder des Lichts“. Im Studio entstanden, erfährt der Ansatz von „zero gravity“ in Teilen eine paradoxe Einschränkung durch eine klare thematische Stückegliederung. Man kann das als Sicherheitsvorgabe verstehen oder als den Versuch, eine Art Visitenkarte der Vielseitigkeit des Trios zu gestalten. Unstrittig jedoch verbindet es originell Neue Innerlichkeit mit zupackender afro-amerikanischer Dynamik. Die fast zehnminütige Interpretation des Shorter-Klassikers Dolores beschenkt die Hörer mit all dem, was die Glücklichen unter ihnen live als atemberaubenden Ausflug in die Schwerelosigkeit erleben durften. Angesichts dieses Glücks sollten sie nicht beckmesserisch an den konventioneller – und schon auch mit dezenter Postproduktion – dargebotenen Tracks herummäkeln, sondern sich eingestehen, dass die Gesamteinspielung in der Tat ein hervorragendes Album der Fünfpunkte-Kategorie ist.

Thomas Fitterling, 24.10.2015



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