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Freedom & Surrender

Lizz Wright

Concorde/Universal 7237220
(62 Min.)

Mit diesem Album gibt die 35-jährige Afro-Amerikanerin Lizz Wright ihren Einstand auf dem renommierten Mainstreamjazz-Label Concorde – und damit fangen die Missverständnisse an: Mit ihrer an Roberta Flack, Aretha Franklin und Nina Simone erinnernde Stimme ist sie eine Sängerin der Sonderklasse, dennoch wird ihr neues Album bei denen kräftiges Stirnrunzeln auslösen, deren Jazzverständnis soulig Poppendes und sentimental Folksong-Balladeskes ausschließt – besonders wenn es garniert mit Background Vocals, munter Boogaloo tanzenden Gitarren-Riffs und harmonieseligen Hammond-Klängen daherkommt.
Doch ein Schuft, wer Böses dabei denkt. Dies ist hervorragend handgemachte und perfekt nachproduzierte Musik mit Producer Larry Klein als deren Mastermind. Er verpflichtete eine Crew aus Studiocracks wie Vinnie Colaiuta, den Meister ausgebufft souliger Rhythmen an den Drums, den Gitarristen Dean Parks, den Organisten Pete Kuzma, den Bassisten Dan Lutz und den Percussionisten Pete Korpula. In zahlreichen Produktionsschritten, zu denen auch die Schichtung von Wrights Stimme zu den allgegenwärtigen Background-Vocals gehört, entstand die perfekte Soundkulisse zu einem Singer-Songwriter-Programm, das reichlich an die 60er und siebziger Jahre erinnert. Neun der dreizehn Songs hat Lizz Wright mit verschiedenen Partnern selbst geschrieben, und die poetisch tiefsinnigen Texte verdienen durchaus Beachtung. Im Booklet allerdings, das für jeden Track die genaue Besetzung angibt, sind sie nicht nachzulesen, dafür ist die Sängerin in einem hinreißenden Kleid, dessen Designer ebenfalls genannt ist, mehrfach allerhübschest abgebildet. Die Hochglanz-Produktionsattitüde entspricht durchaus der der Musik , die (wie gesagt) hervorragend gemacht und produziert ist, und der eben darob dieses gewisse Quäntchen an Authentizität im Jazzsinne abgeht –auch wenn auf je einem Track die Jazzstars Gregory Porter und Till Brönner mitwirken.

Thomas Fitterling, 19.09.2015



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