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Distance

Martin Tingvall

Skip Records/Soulfood SKP9147
(46 Min., 1/2015)

Die Namen, die Martin Tingvall für die zwölf Stücke auf seiner zweiten Solo-Disc gewählt hat, lassen das Konzept erkennen: „An Idea Of Distance“, „The Journey“, „Open Land“, „Requiem“, „Quiet Days“ heißen die ersten fünf. Dem entsprechen ebenmäßige, gelassen ausgestaltete Melodien, Verdichtungen, Entspannung, Ausdünnung, Ostinati, Wechsel der Lagen, Verzierungen, Reduktion auf den Kern: eine breite Ausdrucksskala, die er, als konsequente Fortentwicklung nach seinem ersten Soloalbum „En Ny Dag“, zu einem unverwechselbaren, persönlichen Stil ausgebaut hat. Hatte er 2012 einen Tagesablauf geschildert, verzichtet er diesmal auf ein übergreifendes Motiv, verrät aber, eine Reise nach Island habe ihn inspiriert. Die Töne scheinen aus dem Instrument zu schweben. Sie formen sich zu sanften Melodien überwiegend der rechten Hand, werden von der linken mit bedächtigen Gegenbewegungen ergänzt, finden Raum für Frage-Antwort-Momente der tiefen und hohen Lagen. Dadurch schafft er – wie einst der Trompeter Miles Davis – seinen Hörern Freiräume, in denen sie sich in den Melodien wohlfühlen, sie nachvollziehen und die nächste Wendung vorahnen können. Einzig in „A Blues“ bricht er sanft das Konzept durch kernige, harte Rhythmen auf, und im finalen „From A Distance“ wandert er mit dem Fender Rhodes E-Piano und Celeste in eine andere, jedoch ähnlich entspannte Klangwelt ab. Die Sorgfalt, mit der Michael Dahlvid den Flügel und die beiden anderen Instrumente im schwedischen Nilento Studio aufgezeichnet hat, unterstreicht die innere Ruhe dieser Musik. Klar, effektfrei und – wo es sein muss – warm und voluminös klingt der Flügel, und in den leisen Passagen behält er seine dezente, nuancenreich eingefangene Präsenz: großartig. Das wird die Freunde audiophiler LP-Pressungen freuen, denn das Opus wird nicht nur als CD und Download angeboten, sondern auch auf Vinyl.

Werner Stiefele, 08.08.2015



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