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Encores

Charles Aznavour

Barclay/Universal 3798414
(46 Min.)

Charles Aznavour ist mit 91 der letzte große auteur-composituer-interprète des Chansons der 50er und 60er Jahre, also ein Chansoninterpret, der Texte und Musik seiner Lieder selber schreibt. Für sein neuestes Album hat er sogar die Arrangements für die namentlich genannten Mitglieder des Begleitensembles aus Rhythmusgruppe, Streichquartett und gelegentlichem Bläsertrio eingerichtet. Einst hat der Jazzliebhaber Aznavour das lässige Swingfeeling eines Frank Sinatra in das Nachkriegschanson eingebracht. Doch die nostalgisch rückschauenden „Encores“ sind eigentlich kein Jazzalbum – wie etwa „Jazznavour“ oder Aznavours Aufnahmen mit dem Clayton Hamilton Jazz Orchestra –, auch wenn sie immer wieder die aufregende Zeit des vom Existenzialismus und Bebop geprägten Paris und somit das Pariser Jazz Age thematisieren. Allerdings dürfte diese ohne den Jazz nicht denkbare Musik heutzutage durch die gängigen Raster fallen – trotz des neuen Trends zum Jazz-Chanson etwa bei Cécile McLorin-Salvant oder gar ZAZ. Dieses Album ist einfach Aznavour pur. Tief berührend sind das minimal begleitete „Avec un brin d’œil“ und die Erinnerung an die Jugendzeit bei der Résistance. Natürlich hat die Stimme nicht mehr ganz den metallischen Schmelz, aber die leichte Brüchigkeit entspricht der Thematik. Wenn es etwas einzuwenden gäbe, dann eine gewisse Gleichförmigkeit im Ablauf der überwiegend in schleppendem Rumba-Rhythmus vorgetragenen Lieder. Doch was heißt das angesichts der Authentizität, mit der sich hier eine große Persönlichkeit öffnet? Große Klasse schließlich ist das durchaus jazzpathetische, nur vom Klavier begleitete Duo Aznavour/Benjamin Clementine, mit dem diese ungeschönten Bekenntnisse eines großen Künstlers ausklingen.

Thomas Fitterling, 08.08.2015



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