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Ernest Chausson, Hector Berlioz, Henri Duparc

Poème de l'amour et de la mer, Les nuits d'été, Drei Orchesterlieder

Soile Isokoski, Helsinki Philharmonic Orchestra, John Storgårds

Ondine/Note 1 ODE 12612
(65 Min., 9/2014)

Zwar ist es nicht gerade charmant, eine CD-Rezension mit dem Hinweis auf das Alter der Interpretin zu beginnen, doch geschieht dies hier sozusagen als ehrfurchtsvolle Verneigung. Zum Zeitpunkt der Aufnahmen dieses Recitals zählte Soile Isokoski 57 Jahre – und kann mit einer stimmlichen Frische und Unversehrtheit aufwarten, die heutzutage selbst bei 15 oder gar 20 Jahre jüngeren Kolleginnen nicht immer selbstverständlich ist. Ihr Sopran hat nichts von seiner Leuchtkraft und Klarheit eingebüßt, präsentiert sich nach wie vor gut fokussiert und sicher geführt.
Man verbindet die Finnin im Liedbereich hauptsächlich mit der deutschen Romantik von Schubert bis Wolf und Strauss, mit französischem Repertoire hat man sie außerhalb der Opernbühne bisher kaum zu hören bekommen, weshalb dieses Programm ein echtes Novum darstellt. Richtig glücklich wird man damit allerdings nicht, was keineswegs nur an Isokoskis ausbaufähigem Französisch liegt. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich die Sängerin hier nicht wirklich zu Hause fühlt.
Besonders stark fällt dies bei den "Nuits d'été" auf, wo ihre Stimme großzügiger ausschwingen, weiträumiger phrasieren dürfte. Das "Poème de l'amour et de la mer" legt sie eher intim an, es hat bei ihr nichts Rauschhaftes, Überbordendes wie in Jessye Normans Referenzeinspielung. Das Beste hebt sich Isokoski für den Schluss auf: Mit drei stimmungsmäßig sehr unterschiedlichen Duparc-Liedern überzeugt sie auf ganzer Linie.

Michael Blümke, 08.08.2015



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